Azure und AWS verbinden Clouds direkt mit 100 Gbit/s

Microsoft und AWS vereinfachen private Direktverbindungen zwischen Azure und AWS mit bis zu 100 Gbit/s. Für Unternehmen sinkt der technische Aufwand, während Kosten, regionale Verfügbarkeit und die Abhängigkeit von US-Hyperscalern offenbleiben.

Azure und AWS verbinden Clouds direkt mit 100 Gbit/sBild: KI-generiert

Azure und AWS bauen direkte Multi-Cloud-Verbindung

Microsoft und AWS führen ihre Netzwerkdienste Azure Multicloud Interconnect und AWS Interconnect multicloud zusammen. Damit sollen sich private Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen beiden Cloud-Plattformen deutlich einfacher bereitstellen lassen.

Bislang erforderte eine solche Kopplung die manuelle Abstimmung von physischer Anbindung, Routing, Bereitstellung, Überwachung und laufendem Betrieb. Laut Microsoft konnte die Umsetzung deshalb mehrere Wochen oder sogar Monate dauern.

Azure Multicloud Interconnect befindet sich allerdings noch in der Preview-Phase. Leistungswerte, Funktionsumfang und Zeitplan können sich bis zur allgemeinen Verfügbarkeit ändern.

Bis zu 100 Gbit/s und integrierte Verschlüsselung

Die Verbindung soll vom ersten Tag an Bandbreiten von bis zu 100 Gbit/s unterstützen. Hinzu kommen MACsec, eine Verschlüsselung für direkte Netzwerkverbindungen auf Ethernet-Ebene, sowie eine zugesagte Verfügbarkeit von 99,99 %.

MerkmalAngabe
Verbundene PlattformenMicrosoft Azure und AWS
Maximale BandbreiteBis zu 100 Gbit/s
VerschlüsselungMACsec standardmäßig integriert
Zugesagte Verfügbarkeit99,99 %
StatusAzure Multicloud Interconnect in Preview
PreiseNoch nicht genannt
Regionale VerfügbarkeitNoch nicht spezifiziert

Technische Grundlage ist eine offene API-Spezifikation für die Netzwerk-Interoperabilität. Dieselbe Spezifikation wurde bereits Ende 2025 für eine vergleichbare Verbindung zwischen AWS und Google Cloud eingesetzt. AWS Interconnect multicloud unterstützt laut Amazon nun Azure, Google Cloud und Oracle Cloud Infrastructure.

„Kunden wollten einen besseren Weg, um Workloads über AWS und Azure hinweg zu verbinden. Die bisherigen Verfahren waren schwerfällig“, erklärte AWS-Netzwerkchef Robert Kennedy, sinngemäß aus dem Englischen übersetzt.

Microsoft beschreibt den Dienst als vereinfachte Bedienoberfläche, welche die technische Komplexität des Multi-Cloud-Netzwerks im Hintergrund verbirgt. Der praktische Fortschritt liegt damit weniger in einer neuen Netzwerkidee als in der standardisierten Bereitstellung und Verwaltung.

Frühere Aussagen zur Multi-Cloud passen nicht zum Produkt

Bemerkenswert ist der Kontrast zu früheren Aussagen gegenüber der britischen Wettbewerbsbehörde. AWS hatte dort erklärt, es gebe keine nennenswerten technischen Hindernisse für Multi-Cloud-Strategien. Microsoft verwies dagegen auf ein geringes Kundeninteresse außerhalb spezialisierter Einsatzfälle.

Die neue Zusammenarbeit zeichnet ein anderes Bild. Wenn Verbindungen bisher wochenlange Abstimmungen erforderten und nun ein gemeinsamer Dienst diese Komplexität abstrahiert, waren die praktischen Hürden offenbar relevant. Auch AWS räumt mit der Beschreibung der bisherigen Verfahren als schwerfällig indirekt einen konkreten Bedarf ein.

Was sich für Unternehmen im DACH-Raum ändert

Für Unternehmen mit Compliance-, Redundanz- oder Risikovorgaben kann die direkte Verbindung den administrativen Aufwand reduzieren. Das betrifft unter anderem Finanzunternehmen, die ihre Ausfallsicherheit und Abhängigkeiten im Rahmen von DORA nachvollziehbar steuern müssen. Eine Multi-Cloud-Verbindung erfüllt solche Anforderungen jedoch nicht automatisch.

Offen bleiben die wirtschaftlich entscheidenden Details. Microsoft und AWS nennen bislang weder Preise für die Verbindung noch konkrete Kosten für ein- und ausgehenden Datentransfer. Auch eine Verfügbarkeit in Regionen wie Frankfurt, Zürich oder Wien wurde nicht bestätigt.

Für KI-Infrastruktur ist die Entwicklung besonders relevant, weil rechenintensive Workloads häufig an große Cloud-Kapazitäten gebunden sind. Die Dimension dieser Investitionen zeigt etwa die Bestellung von Nvidia-GPUs für AWS. Eine direkte Cloud-Kopplung erleichtert zwar die Verteilung solcher Workloads, beseitigt aber nicht die laufenden Verbrauchs- und Transferkosten.

Weniger Lock-in bei einem Anbieter, mehr Bindung an das System

Die Verbindung lockert die technische Bindung an einen einzelnen Hyperscaler. Gleichzeitig kann sie die Abhängigkeit vom gemeinsamen Ökosystem der großen US-Clouds festigen. Anwendungen lassen sich leichter zwischen Azure und AWS verteilen, verbleiben aber weiterhin in proprietären Betriebs-, Abrechnungs- und Vertragsmodellen.

Für dauerhaft hohe und planbare KI-Lasten bleibt deshalb der Vergleich mit eigener Infrastruktur sinnvoll. Ansätze wie ein eigener KI-Cluster als Alternative zur Cloud können mehr Kontrolle über Kosten und Daten schaffen, verursachen dafür aber Investitions-, Betriebs- und Personalaufwand.

Vor einer Nutzung der neuen Verbindung sollten Unternehmen daher nicht nur Bandbreite und Verfügbarkeit bewerten. Entscheidend sind auch Datentransferpreise, regionale Abdeckung, Kündigungswege und die Frage, wie Anwendungen später wieder aus beiden Clouds herausgelöst werden können. Genau diese Punkte sind zum Start der Preview noch nicht ausreichend geklärt.