Claude Code macht Projects zum Auftragsverteiler
Anthropic erweitert die Projects-Funktion in Claude Code zu einem Koordinationssystem für Softwareentwicklung. Statt Dateien und Kontext lediglich abzulegen, kann Claude ein übergeordnetes Ziel in Arbeitspakete zerlegen und diese parallel bearbeiten lassen.
Claude übernimmt dabei die Rolle des Koordinators. Das Modell verteilt Aufgaben auf mehrere Threads, prüft deren Ergebnisse und führt die Änderungen anschließend zusammen. Jeder Thread ist eine vollständige Claude-Code-Cloud-Session mit eigener Kopie des Repositorys und eigenem Git-Branch.
Parallele Sessions arbeiten wie ein Entwicklerteam
Die einzelnen Threads können Tests ausführen, Pull-Requests erstellen und weitere Subagenten einsetzen. Ein Subagent ist ein spezialisierter KI-Prozess, der einen abgegrenzten Teil der Aufgabe übernimmt. Alle Threads greifen auf einen gemeinsamen Projektspeicher zu und legen Dateien sowie Ergebnisse in einer zentralen Bibliothek ab.
Modell und Rechenaufwand lassen sich für den Koordinator und die ausführenden Threads getrennt konfigurieren. Damit kann beispielsweise ein leistungsfähigeres Modell die Planung übernehmen, während günstigere Konfigurationen einzelne Arbeitspakete abarbeiten. Wie hoch der zusätzliche Kontingentverbrauch je Thread ausfällt, hat Anthropic allerdings nicht beziffert.
| Komponente | Aufgabe | Technische Ausführung |
|---|---|---|
| Koordinator | Zerlegt Ziele, verteilt Arbeit und prüft Ergebnisse | Claude-Code-Cloud-Session |
| Arbeits-Thread | Bearbeitet ein abgegrenztes Arbeitspaket | Eigene Repository-Kopie und eigener Git-Branch |
| Subagent | Übernimmt Teilaufgaben innerhalb eines Threads | Vom jeweiligen Thread gesteuert |
| Projektbibliothek | Sammelt Dateien und Arbeitsergebnisse | Gemeinsamer Speicher für alle Threads |
Nach Angaben von Anthropic erledigt Claude inzwischen rund 25 % der internen Forschungs- und Entwicklungsarbeit weitgehend selbstständig.
Der Ansatz geht über eine klassische Programmierhilfe hinaus. Projects organisiert mehrere autonome Arbeitsschritte wie ein kleines Entwicklerteam. Damit setzt Anthropic den Ausbau fort, der bereits bei der Bündelung von Claude, Cowork und Office-Funktionen sichtbar wurde.
Beta startet für Pro- und Max-Abonnenten
Die neue Projects-Version ist seit Donnerstag als Beta für ausgewählte Pro- und Max-Abonnenten verfügbar. Weitere Nutzer von Claude Code sollen im Verlauf der kommenden Woche Zugriff erhalten. Bestehende Projekte funktionieren vorerst unverändert weiter.
| Punkt | Aktueller Stand |
|---|---|
| Verfügbarkeit | Beta für ausgewählte Pro- und Max-Abonnenten |
| Weiterer Rollout | Für die kommende Woche angekündigt |
| Repository-Anbindung | GitHub auf github.com mit installierter Claude-GitHub-App |
| Ausführungsort | Ausschließlich Anthropics Cloud |
| Lokale Ausführung | Angekündigt, aber ohne festen Termin |
GitHub und Anthropic Cloud sind Pflicht
Für die Arbeit mit Quellcode wird derzeit ein Repository auf github.com sowie die Claude-GitHub-App benötigt. Ob später GitLab, Bitbucket oder selbst gehostete Git-Plattformen unterstützt werden, ist bislang nicht bestätigt.
Auch die Ausführung bleibt vollständig an Anthropics Infrastruktur gebunden. Die Threads laufen nicht auf dem Rechner des Anwenders oder innerhalb des eigenen Unternehmensnetzes. Eine lokale Variante wurde angekündigt, einen Veröffentlichungstermin nennt Anthropic jedoch nicht.
Für Unternehmen im DACH-Raum ist diese Architektur besonders relevant. Quellcode, Arbeitskontext und Agenten-Sessions werden in der US-Cloud verarbeitet. Bei strengen Datenschutz-, Geheimhaltungs- oder Compliance-Vorgaben ist daher vor dem Einsatz eine genaue Prüfung notwendig.
Mehr Eigenentwicklung, aber höherer Lock-in
Projects kann den manuellen Aufwand für Eigenentwicklung und Wartung deutlich reduzieren. Planung, Umsetzung, Tests und Pull-Requests lassen sich parallelisieren. Die grundsätzlichen Qualitätsrisiken bleiben jedoch bestehen, wie Untersuchungen zu mehr Output und mehr Code-Duplikaten durch KI-Coding zeigen.
Jeder zusätzliche Thread entspricht einer vollwertigen Session und verbraucht damit Nutzungskontingent. Konkrete Mehrkosten oder Verbrauchswerte nennt Anthropic nicht. Unternehmen müssen deshalb beobachten, ob die eingesparte Entwicklungszeit den steigenden Abo-Verbrauch tatsächlich überwiegt.
Kurzfristig verstärkt die Funktion zudem die Abhängigkeit von Anthropic und GitHub. Der Produktivitätsgewinn entsteht innerhalb einer geschlossenen Cloud-Kette. Erst eine lokal ausführbare Variante würde mehr Kontrolle über Code, Infrastruktur und laufende Kosten ermöglichen.
Auch Sicherheitsprozesse müssen mit der höheren Autonomie Schritt halten. Wenn mehrere Agenten parallel Branches verändern, Tests starten und Pull-Requests erzeugen, werden klare Freigaben und technische Grenzen wichtiger. Dass Coding-Agenten selbst zur Angriffsfläche werden können, zeigt die Sicherheitslücke Plugin4Shell bei führenden KI-Coding-Agenten.

