New Jersey bestraft DataOne wegen Gasgeneratoren
Die Umweltbehörde von New Jersey hat gegen den Rechenzentrumsbetreiber DataOne ein Bußgeld von 1,1 Millionen US-Dollar verhängt. Am Standort Vineland waren 62 Gasgeneratoren installiert, für die keine erforderlichen Umweltgenehmigungen vorlagen.
Thermische Drohnenaufnahmen wiesen 45 Generatoren im laufenden Betrieb nach. Jede Anlage verfügt über eine Leistung von 1.982 kW. Damit überschreitet sie den behördlichen Schwellenwert von 37 kW um mehr als das Fünfzigfache.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Bußgeld | 1,1 Millionen US-Dollar |
| Installierte Gasgeneratoren | 62 |
| Nachgewiesen aktive Generatoren | 45 |
| Leistung pro Generator | 1.982 kW |
| Grenzwert für Genehmigungspflicht | 37 kW |
| Frist für nachträgliche Anträge | 45 Tage |
| Größe des Rechenzentrumskomplexes | ca. 241.500 m² |
Gasgeneratoren dieser Größenordnung emittieren unter anderem Kohlendioxid, Stickoxide und Kohlenmonoxid. Welche Schadstoffmengen am Standort seit der Inbetriebnahme tatsächlich freigesetzt wurden, ist bislang nicht bekannt.
Genehmigungsantrag zurückgezogen, Betrieb fortgesetzt
DataOne hatte im Mai zunächst Genehmigungen für rund 30 Generatoren beantragt. Nachdem die Behörde Mängel festgestellt hatte, zog das Unternehmen den Antrag zurück. Wartungsprotokolle zeigen jedoch, dass einzelne Anlagen bereits ab Oktober betrieben wurden.
DataOne muss die Genehmigungsanträge nun innerhalb von 45 Tagen nachreichen. Während dieser Frist dürfen die Generatoren weiterlaufen. Ob die Behörde den Betrieb nach Ablauf der Frist tatsächlich stoppt, falls die Anforderungen nicht erfüllt werden, ist offen.
Rechenzentren könnten in New Jersey nicht ungestraft gebaut oder betrieben werden, erklärte der zuständige Behördenleiter sinngemäß übersetzt.
DataOne kündigte Einspruch gegen das Bußgeld an. Gleichzeitig will das Unternehmen die erforderlichen Luftreinhaltegenehmigungen beantragen und langfristig auf emissionsärmere und leisere Brennstoffzellen umstellen.
KI-Dienste erhöhen den Druck auf die Energieversorgung
Der etwa 241.500 m² große Komplex liefert Rechenleistung für KI-Anwendungen von Microsoft, darunter Copilot. Es gibt allerdings keinen Beleg dafür, dass Microsoft von den fehlenden Genehmigungen wusste oder Einfluss auf den Einsatz der Generatoren nahm.
Der Vorgang zeigt dennoch ein strukturelles Problem. Neue KI-Infrastruktur benötigt große Mengen kontinuierlich verfügbarer Energie. Reichen Netzanschlüsse oder reguläre Kapazitäten nicht aus, entstehen Anreize für eine eigene Off-Grid-Versorgung mit fossilen Brennstoffen.
Ähnliche Konflikte zwischen Rechenzentren, Infrastruktur und Regulierung zeigen sich auch bei den verschärften Rechenzentrumsregeln in Virginia. Projekte wie die von Emerald AI geplante Erschließung zusätzlicher Netzkapazität verdeutlichen zugleich, wie groß der Energiebedarf der Branche inzwischen eingeschätzt wird.
Anwohner klagen wegen Lärmbelastung
Neben den Umweltgenehmigungen beschäftigt die Lärmbelastung die Anwohner. Gegen DataOne läuft deshalb eine Bundesklage. Die Kritik richtet sich auch dagegen, dass die Generatoren während der 45-tägigen Nachfrist weiter betrieben werden dürfen.
Das Vorgehen folge dem Prinzip, nicht vorher um Erlaubnis zu fragen, sondern später um Vergebung zu bitten, sagte ein Anwohner sinngemäß übersetzt.
New Jersey hat als Reaktion auf den wachsenden öffentlichen Widerstand ein Steuerförderprogramm für Rechenzentren mit einem Volumen von 250 Millionen US-Dollar gestoppt. Im Bundesstaat sind mehr als 80 weitere Rechenzentren geplant oder bereits im Bau.
Was der Fall für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet
Für deutsche, österreichische und schweizerische Unternehmen ist der Vorgang vor allem bei Nachhaltigkeitsberichten relevant. Wer Cloud-KI einkauft, lagert nicht nur Rechenleistung aus. Auch ein Teil der Umweltwirkung wandert in die Lieferkette und kann je nach Berichtspflicht bei Scope-3-Emissionen eine Rolle spielen.
Die Nachhaltigkeitsangaben eines Cloud-Anbieters reichen deshalb nicht immer aus. Entscheidend ist, in welchen Rechenzentren die Leistung erbracht wird, wie deren Energieversorgung aussieht und welche Nachweise der Betreiber bereitstellt. Bei undurchsichtigen Lieferketten bleibt die Umweltbilanz eines KI-Dienstes schwer überprüfbar.
Eigene Modelle oder regionale Hosting-Angebote können mehr Kontrolle schaffen. Open-Weights-Modelle, deren Gewichte verfügbar sind, lassen sich im eigenen Rechenzentrum oder bei ausgewählten Infrastrukturpartnern betreiben. Sie sind nicht automatisch umweltfreundlicher, ermöglichen aber eine bewusstere Wahl von Hardware, Auslastung und Stromquelle. Auch wirtschaftlich können solche Ansätze interessant sein, wie der Vergleich zu günstigeren Open-Weights-Modellen zeigt.
Der DataOne-Fall relativiert damit pauschale Green-IT-Versprechen rund um KI-Abos. Für die Beschaffung zählen nicht nur Funktionsumfang und Monatspreis, sondern auch Energieherkunft, Standorttransparenz, Genehmigungsstatus und die Abhängigkeit vom jeweiligen Plattformanbieter.

