Manus arbeitet nach blockiertem Meta-Deal wieder allein
Das chinesische KI-Startup Manus führt sein Geschäft nach der gescheiterten Übernahme durch Meta wieder eigenständig. Das Gründerteam bleibt an der Spitze. Nun verhandelt das Unternehmen offenbar über eine neue Finanzierungsrunde.
Manus entwickelt KI-Agenten und Vibe-Coding-Werkzeuge. Vibe Coding bezeichnet die Erstellung von Software über natürlichsprachliche Anweisungen statt überwiegend manuell geschriebenem Code. Mit den Werkzeugen lassen sich unter anderem Apps, Websites, Designs, Präsentationen und Videos erstellen.
Meta hatte im Dezember 2025 eine Übernahme für 2 Milliarden US-Dollar angekündigt. Zuvor hatte Manus Mitte 2025 Mitarbeiter nach Singapur verlegt. Ende 2025 erzielte das Startup nach den vorliegenden Angaben einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von mehr als 100 Millionen US-Dollar.
Neue Finanzierungsrunde über 500 Millionen US-Dollar
Manus soll derzeit 500 Millionen US-Dollar neues Kapital bei einer Bewertung von 4 Milliarden US-Dollar anstreben. Als mögliche Investoren werden IDG Capital, Boyu Capital, CATL und der bestehende Geldgeber Tencent genannt. Die Gespräche sind bislang nicht abgeschlossen, finale Konditionen sind daher nicht bestätigt.
| Kennzahl | Stand |
|---|---|
| Angestrebtes neues Kapital | 500 Millionen US-Dollar |
| Angestrebte Bewertung | 4 Milliarden US-Dollar |
| Bewertung beim Meta-Deal und Rückkauf | rund 2 Milliarden US-Dollar |
| Jährlich wiederkehrender Umsatz Ende 2025 | mehr als 100 Millionen US-Dollar |
Zusätzlich erwägt Manus eine Restrukturierung, die einen späteren Börsengang in Hongkong vorbereiten könnte. Auch dieser Schritt befindet sich noch im Planungsstadium.
China stoppte die Übernahme durch Meta
Die chinesische Regierung blockierte den Zusammenschluss unter Verweis auf Exportkontrollen und Vorschriften für Auslandsinvestitionen. Dabei spielte auch die Sorge eine Rolle, dass KI-Fachkräfte und technisches Wissen ins Ausland abwandern könnten.
Frühe Investoren unterstützten Manus anschließend beim Rückkauf der von Meta gehaltenen Anteile. Die dabei angesetzte Bewertung lag den vorliegenden Angaben zufolge bei etwa 2 Milliarden US-Dollar.
Nutzer mussten ihre Daten selbst sichern
Die regulatorische Trennung hatte unmittelbare Folgen für Kunden. Im August 2026 forderte Manus seine Nutzer auf, Daten zu exportieren und eigenständig zu sichern. Nach der angekündigten Meta-Übernahme erzeugte Daten mussten demnach gelöscht werden.
Die Löschung sei erforderlich gewesen, um „regulatorische Anforderungen in bestimmten Rechtsordnungen zu erfüllen“, sinngemäß aus dem Englischen übersetzt.
Welche Daten konkret betroffen waren und welche Rechtsordnungen die Löschung auslösten, ist nicht bekannt. Ebenso gibt es bislang keine belastbaren Angaben dazu, wie stabil das Produkt- und Hosting-Modell nach der Trennung von Meta aufgestellt ist.
Der Vorgang verdeutlicht ein grundsätzliches Problem proprietärer Cloud-Plattformen. Werden Eigentümerstruktur, Hosting oder regulatorische Zuständigkeit verändert, kann die Verantwortung für die Datensicherung kurzfristig beim Kunden landen. Ähnliche Fragen zur Kontrolle über Entwicklungsdaten entstehen, wenn ein Coding-Werkzeug komplette Git-Historien in eine externe Cloud überträgt.
Was der Fall für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet
Für Unternehmen im DACH-Raum liegt das Hauptrisiko weniger in der chinesischen Herkunft allein. Entscheidend ist die Abhängigkeit von einem Anbieter, der gleichzeitig unterschiedlichen politischen und regulatorischen Interessen ausgesetzt ist. Selbst ein wirtschaftlich erfolgreicher Dienst kann dadurch kurzfristig zu Migrationen, Exporten oder Löschungen zwingen.
Beim Einsatz von KI-Agenten und Coding-Plattformen sollten deshalb Datenexport, offene Formate, lokale Sicherungen und ein technisch realistischer Wechselpfad von Beginn an vorgesehen werden. Das betrifft Quellcode, Prompts, Projektkontexte, erzeugte Dateien und Protokolle gleichermaßen.
Quelloffene Modelle und selbst kontrollierte Infrastruktur beseitigen nicht jedes Risiko, reduzieren aber die Abhängigkeit von einzelnen Plattformbetreibern. Dass Open-Weights-Modelle trotz Leistungsrückstand deutlich günstiger sein können, macht diese Option auch wirtschaftlich relevant.
Die angestrebte Verdopplung der Manus-Bewertung zeigt das Vertrauen der Investoren in KI-Agenten und Vibe Coding. Für Kunden ist jedoch eine andere Kennzahl wichtiger: Wie zuverlässig lassen sich Daten und Arbeitsabläufe mitnehmen, wenn Regulierung, Eigentümer oder Geschäftsmodell erneut wechseln?

