Rust wird bei Microsoft zur Standardsprache
Microsoft stuft Rust als interne Tier-1-Sprache ein. Damit gehört die Programmiersprache nun neben C++, C# und TypeScript zu den am besten unterstützten Optionen für neue Entwicklungsprojekte im Konzern.
Die Einstufung ist mehr als eine formale Anerkennung. Microsoft stellt dafür Werkzeuge und Prozesse über den gesamten Entwicklungszyklus bereit, von der lokalen Entwicklungsumgebung bis zur Integration in bestehende Build- und Testsysteme.
Rust steht bei Microsoft nun auf einer Stufe mit C++, C# und TypeScript und erhält entsprechend umfassende interne Unterstützung, so die sinngemäße Aussage des zuständigen Microsoft-Teams.
Microsoft setzt Rust bereits produktiv ein
Rust ist innerhalb des Konzerns nicht neu. Die Sprache kommt bereits in mehr als 100 Microsoft-Projektarchiven zum Einsatz. Dazu zählen Komponenten rund um Microsoft 365 und den technischen Unterbau von Copilot.
Mit Oxidizer hat Microsoft außerdem eine Sammlung von Rust-Bibliotheken entwickelt. Solche Bibliothekspakete werden im Rust-Umfeld als Crates bezeichnet. Sie dienen dem Aufbau skalierbarer Dienste und wurden unter anderem für Kernkomponenten von Outlook, Word, Excel, OneDrive und SharePoint verwendet.
| Bereich | Stand bei Microsoft |
|---|---|
| Interner Status | Tier-1-Sprache |
| Gleichgestellte Sprachen | C++, C# und TypeScript |
| Projektarchive mit Rust | Mehr als 100 |
| Genannte Einsatzfelder | Microsoft 365, Copilot und Windows-Werkzeuge |
| Anteil speicherbezogener Windows-Schwachstellen | Rund 70 % laut Microsoft-Angabe von 2025 |
Rust soll Speicherfehler in Windows reduzieren
Der wichtigste Grund für die Aufwertung liegt in der Speichersicherheit. Rust verhindert bereits beim Übersetzen viele Fehler, die in C und C++ zu ungültigen Speicherzugriffen, abgestürzten Anwendungen oder ausnutzbaren Sicherheitslücken führen können.
Microsoft bezifferte den Anteil speicherbezogener Fehler an den Windows-Schwachstellen mit CVE-Kennung im Jahr 2025 auf rund 70 %. Rust beseitigt dieses Problem nicht vollständig, reduziert aber eine große Fehlerklasse schon während der Entwicklung.
Der Schritt bedeutet allerdings nicht, dass Microsoft Windows kurzfristig vollständig in Rust neu schreibt. Wahrscheinlicher ist eine schrittweise Migration besonders sicherheitskritischer Komponenten. Neue Module können direkt in Rust entstehen, während bestehender C++-Code zunächst weiterläuft.
Gemeinsame Werkzeugkette für Rust und C++
Für Windows-Projekte ist die Integration in Microsoft Visual C++ entscheidend. Microsoft hat dafür mit rustc_codegen_utc ein eigenes Backend zur Code-Erzeugung entwickelt. Es verbindet den Rust-Compiler mit der internen MSVC-Werkzeugkette für Windows-Binärdateien.
Rust kann dadurch auf bestehende Windows-spezifische Optimierungen und Plattformfunktionen zugreifen. Microsoft muss diese Fähigkeiten nicht in einer parallelen Werkzeugkette erneut implementieren. Das senkt den Aufwand und erleichtert gemischte Projekte aus Rust und C++.
Der Trend ist auch außerhalb von Microsoft sichtbar. So verlagert pnpm 12 zentrale Komponenten in einen Rust-Kern, um Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit zu verbessern.
Die Grenze liegt an der Verbindung zu C++
Die Sicherheitsvorteile von Rust gelten vor allem innerhalb seines kontrollierten Speichermodells. Sobald Rust mit C++-Bibliotheken oder Betriebssystemkomponenten kommuniziert, entstehen sogenannte Unsafe-Bereiche. Dort müssen Entwickler bestimmte Sicherheitsgarantien des Compilers bewusst umgehen.
Besonders kritisch sind Zeiger auf Speicher, der von C++ verwaltet wird. Der Rust-Compiler kann nicht zuverlässig prüfen, ob dieser Speicher noch gültig ist. Fehler an solchen Schnittstellen bleiben deshalb auch bei einer Rust-Migration möglich.
Für Unternehmen ist das eine wichtige Einschränkung. Eine neue Programmiersprache ersetzt weder Architekturprüfungen noch Code-Reviews und Sicherheitstests. KI kann bei Übersetzungen und bei der Modernisierung alter Komponenten helfen, die fachliche Verantwortung bleibt jedoch beim Entwicklungsteam. Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt Debian bei den Regeln für KI-generierten Code.
Was die Aufwertung für Unternehmen bedeutet
Microsoft erhöht mit der Tier-1-Einstufung die Planungssicherheit für Rust im Windows-Umfeld. Unternehmen können eher davon ausgehen, dass Compiler, Debugger, Build-Systeme und interne Microsoft-Schnittstellen langfristig gepflegt werden.
Für neue systemnahe Anwendungen kann Rust damit zu einer realistischen Alternative zu C++ werden. Das gilt besonders für Sicherheitssoftware, Netzwerkdienste und leistungsintensive Komponenten. Bestehende Anwendungen sollten dagegen nicht allein wegen der Sprache neu geschrieben werden, denn Migrationen verursachen hohe Test- und Integrationskosten.
Strategisch reduziert Rust die Abhängigkeit von proprietären Laufzeitumgebungen nur teilweise. Die Sprache und ihr Paketökosystem sind Open Source, die enge Integration in MSVC bleibt jedoch an Microsofts Windows-Werkzeugkette gebunden. Wer Portabilität und Datensouveränität priorisiert, sollte deshalb auch alternative Compiler und plattformübergreifende Build-Prozesse berücksichtigen.

