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Nscale sucht 3,5 Milliarden Dollar vor Börsengang

Nscale verhandelt vor einem möglichen Börsengang über 3,5 Milliarden US-Dollar frisches Kapital, davon sollen 2 Milliarden US-Dollar von Nvidia kommen. Die Pläne zeigen, wie kapitalintensiv der Aufbau europäischer KI-Infrastruktur ist und wie stark der Markt zugleich von wenigen Chipherstellern abhängt.

Nscale sucht 3,5 Milliarden Dollar vor BörsengangBild: KI-generiert

Nscale plant Milliardenfinanzierung vor möglichem IPO

Der britische KI-Infrastrukturanbieter Nscale will vor einem möglichen Börsengang insgesamt 3,5 Milliarden US-Dollar aufnehmen. Das erst vor zwei Jahren gegründete Unternehmen verhandelt dafür mit Investoren und Nvidia. Ein Abschluss der Finanzierung ist bislang nicht bestätigt.

Ein Börsengang könnte bereits Ende September 2026 erfolgen. Wann und an welcher Börse Nscale tatsächlich an die Börse gehen will, ist jedoch offen.

2 Milliarden US-Dollar sollen von Nvidia kommen

Die geplante Finanzierung besteht aus zwei Teilen. Nscale möchte Wandelschuldverschreibungen über 1,5 Milliarden US-Dollar ausgeben. Dabei handelt es sich zunächst um Fremdkapital, das später unter festgelegten Bedingungen in Unternehmensanteile umgewandelt werden kann.

Weitere 2 Milliarden US-Dollar sollen direkt von Nvidia kommen. Ob Nvidia die Finanzierung tatsächlich bereitstellt und zu welchen Bedingungen, ist nicht bekannt.

Finanzierung oder KennzahlVolumenStatus
Geplante Pre-IPO-Finanzierung3,5 Milliarden US-DollarIn Verhandlung
Wandelschuldverschreibungen1,5 Milliarden US-DollarGeplant
Finanzierung durch Nvidia2 Milliarden US-DollarIn Verhandlung
Series B1,1 Milliarden US-DollarIm März 2026 abgeschlossen
Series A155 Millionen US-DollarIm Dezember 2024 abgeschlossen

Nvidia war bereits an der Series B von Nscale beteiligt. Die Runde über 1,1 Milliarden US-Dollar wurde vom Investmentfonds Aker angeführt.

Nscale bezeichnete die Series B, sinngemäß aus dem Englischen übersetzt, als „größte Series B in der europäischen Geschichte“.

Anthropic-Vertrag bildet die Grundlage der Prognosen

Nscale hat zuletzt einen Vertrag über Rechenkapazität mit Anthropic abgeschlossen. Das geschätzte Volumen liegt bei rund 45 Milliarden US-Dollar. Auch Anthropics langfristige Beschaffung von Rechenleistung bei Nscale zeigt, welche Größenordnung der Ausbau inzwischen erreicht.

Gegenüber potenziellen Investoren soll Nscale Umsatzerwartungen von rund 103 Milliarden US-Dollar genannt haben. Diese Zahl beschreibt keine bereits erzielten Erlöse. Sie basiert auf langfristig gebuchten Kundenverträgen und den daraus abgeleiteten künftigen Einnahmen.

Welche Laufzeiten, Bereitstellungspläne und weiteren Bedingungen hinter dem Anthropic-Vertrag und der Umsatzprojektion stehen, ist nicht bekannt. Ohne diese Angaben lässt sich die wirtschaftliche Belastbarkeit der Prognose nur eingeschränkt bewerten.

KI-Rechenleistung wird zum kapitalintensiven Engpass

Die Finanzierung verdeutlicht, wie viel Kapital für neue KI-Rechenzentren erforderlich ist. Anbieter müssen Grafikprozessoren beschaffen, Stromkapazitäten sichern und Infrastruktur aufbauen, bevor die vereinbarte Rechenleistung vollständig verkauft und bereitgestellt werden kann.

Nscale ist damit Teil eines Marktes, in dem spezialisierte Betreiber große Summen aufnehmen. Auch Crusoe finanziert den Ausbau seiner KI-Infrastruktur mit Milliardenkapital. Solche Anbieter positionieren sich als Alternative zu AWS, Google Cloud und Microsoft Azure.

Mehr Auswahl, aber keine vollständige Unabhängigkeit

Für Unternehmen im DACH-Raum entsteht aus der Finanzierung zunächst kein direkter Effekt. Langfristig könnte ein größerer europäischer Markt für KI-Rechenleistung jedoch zusätzliche Optionen für das Training und Hosting eigener Modelle schaffen. Das wäre besonders für Unternehmen relevant, die Open-Source-Modelle betreiben oder eigene KI-Anwendungen entwickeln wollen.

Mehr regionale Anbieter können die Abhängigkeit von proprietären SaaS-Plattformen und den großen US-Clouds reduzieren. Dabei bleiben Standort, Datenschutz, Vertragsbedingungen und die tatsächliche Verfügbarkeit der Hardware entscheidend.

Die mögliche Beteiligung von Nvidia zeigt zugleich die Grenze dieser Unabhängigkeit. Die Rechenzentren können von unterschiedlichen Betreibern geführt werden, während die zentrale Hardware weiterhin von wenigen Herstellern stammt. Nscale erweitert damit potenziell die Auswahl auf Ebene der Infrastruktur, löst aber nicht automatisch die Konzentration im Chipmarkt.