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ServiceNow: Vier kritische Lücken ohne Anmeldung

Vier kritische Schwachstellen betreffen die ServiceNow AI Platform und die übergeordnete ServiceNow Platform. Angreifer könnten ohne Anmeldung aus einer Sandbox ausbrechen, Schadcode ausführen oder die Datenbank einer Instanz kompromittieren.

ServiceNow: Vier kritische Lücken ohne AnmeldungBild: KI-generiert

Vier kritische Lücken in der ServiceNow Platform

ServiceNow hat Sicherheits-Patches für vier kritische Schwachstellen in seiner AI Platform und der übergeordneten ServiceNow Platform veröffentlicht. Alle vier Lücken lassen sich ohne Authentifizierung ausnutzen. Ein gültiges Benutzerkonto ist für einen Angriff damit nicht erforderlich.

Die möglichen Folgen reichen von eingeschleustem Schadcode bis zum Zugriff auf die zugrundeliegende Datenbank. Nach Angaben von ServiceNow sind bislang keine aktiven Angriffe bekannt. Unternehmen sollten den Patch-Status ihrer Instanzen dennoch kurzfristig kontrollieren.

Besonders relevant ist, dass eine Schwachstelle den Ausbruch aus der KI-Sandbox und anschließend die Code-Ausführung im Kontext der gesamten ServiceNow Platform ermöglicht.

Sandbox-Ausbruch und SQL-Injection

Eine Sandbox ist eine abgeschottete Ausführungsumgebung, die Code vom restlichen System trennen soll. Über CVE-2026-6876 können Angreifer diese Trennung überwinden und eigenen Code mit den Rechten der ServiceNow Platform ausführen. ServiceNow hat die Einstufung dieser Lücke nachträglich von hoch auf kritisch angehoben.

Der konkrete technische Weg des Sandbox-Ausbruchs wurde bislang nicht offengelegt. Ähnliche Probleme zeigen sich auch bei anderen KI-Systemen. So können laut einem separaten Bericht selbst KI-Agenten vorgesehene Sandboxes umgehen, wenn die Sicherheitsgrenzen der Ausführungsumgebung nicht konsequent durchgesetzt werden.

Die Schwachstellen CVE-2026-18885 und CVE-2026-18886 ermöglichen ebenfalls das Einschleusen von Schadcode. CVE-2026-74820 betrifft eine SQL-Injection. Dabei werden manipulierte Datenbankbefehle über unzureichend abgesicherte Eingaben eingeschleust, wodurch Angreifer die Datenbank einer ServiceNow-Instanz kompromittieren können.

SchwachstelleAngriffsmöglichkeitEinstufung
CVE-2026-6876Sandbox-Ausbruch und Code-Ausführung im Kontext der ServiceNow PlatformKritisch
CVE-2026-18885Einschleusen von SchadcodeKritisch
CVE-2026-18886Einschleusen von SchadcodeKritisch
CVE-2026-74820SQL-Injection und mögliche Kompromittierung der DatenbankKritisch

Diese ServiceNow-Versionen enthalten die Patches

ServiceNow hat insgesamt 15 gepatchte Release- und Hotfix-Versionen für die Plattformzweige Australia, Xanadu, Yokohama und Zurich aufgeführt. Kunden im ServiceNow Patching Program sollen die Aktualisierungen nach Herstellerangaben bereits erhalten haben. Auch in diesem Fall bleibt eine technische Prüfung sinnvoll, da die tatsächliche Version der jeweiligen Instanz entscheidend ist.

PlattformzweigGepatchte Versionen
AustraliaPatch 2 Hot Fix 3
Patch 3 Hot Fix 2
Patch 3m
Patch 4
Patch 5
XanaduPatch 11 Hot Fix 7a
YokohamaPatch 12 Hot Fix 3b
Patch 13 Hot Fix 4
ZurichPatch 7b Hot Fix 3
Patch 8 Hot Fix 5
Patch 9 Hot Fix 6
Patch 10 Hot Fix 2m, m-branch
Patch 10 Hot Fix 3, standard
Patch 11
Patch 12

Wie viele Cloud- oder On-Premises-Instanzen weltweit betroffen sind, ist nicht bekannt. Auch für Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen keine belastbaren Zahlen vor.

Warum der Vorfall für Unternehmen relevant ist

ServiceNow wird in vielen Konzernen, Großunternehmen und IT-Dienstleistern als zentrales System für IT-Service-Management und automatisierte Geschäftsabläufe eingesetzt. Eine Kompromittierung kann deshalb nicht nur ein einzelnes KI-Modul betreffen. Je nach Konfiguration können auch angebundene Prozesse, Berechtigungen und sensible Unternehmensdaten gefährdet sein.

Der Fall unterstreicht das Risiko tief integrierter KI-Funktionen. Wenn eine Sandbox innerhalb eines KI-Moduls durchbrochen werden kann, wird aus einer isoliert wirkenden Schwachstelle ein Plattformproblem. Vergleichbare Auswirkungen hatte eine Schwachstelle, bei der ein verdeckter Microsoft-Copilot-Parameter den Abfluss von Daten erlaubte.

Für IT-Verantwortliche entstehen neben dem Sicherheitsrisiko zusätzliche operative Kosten. Ungeplante Patch-Zyklen binden Personal, erfordern Tests und können Freigabeprozesse verzögern. Bei proprietären Enterprise-Plattformen hängt die Behebung zudem vollständig von der Fehleranalyse, Veröffentlichung und Verteilung durch den Anbieter ab.

Was jetzt geprüft werden sollte

Entscheidend ist zunächst der Abgleich der installierten Version mit den veröffentlichten Patch-Ständen. Zusätzlich sollten Protokolle auf ungewöhnliche Code-Ausführung, auffällige Datenbankabfragen und unerwartete Änderungen an Workflows oder Berechtigungen untersucht werden.

Unternehmen sollten außerdem dokumentieren, welche Daten und Systeme mit der ServiceNow AI Platform verbunden sind. Diese Abhängigkeitsübersicht erleichtert die Risikobewertung und begrenzt den Aufwand bei künftigen Sicherheitsmeldungen. Dass bislang keine aktiven Angriffe bekannt sind, ersetzt diese Prüfung nicht.