AWS installiert alle 14 Sekunden KI-Beschleuniger

AWS baut seine KI-Infrastruktur massiv aus und installiert nach eigenen Angaben etwa alle 14 Sekunden einen neuen Beschleuniger. Amazon-CEO Andy Jassy erwartet, dass AWS innerhalb von fünf bis zehn Jahren einen Jahresumsatz von 1 Billion US-Dollar erreicht.

AWS installiert alle 14 Sekunden KI-BeschleunigerBild: KI-generiert

AWS beschleunigt den Ausbau seiner KI-Infrastruktur

Amazon Web Services baut seine Kapazitäten für künstliche Intelligenz in hohem Tempo aus. Nach Angaben von Amazon-CEO Andy Jassy installiert AWS etwa alle 14 Sekunden einen neuen KI-Beschleuniger. Welche konkreten Chips dabei eingesetzt werden, nennt das Unternehmen nicht.

Die zusätzliche Leistung bleibt offenbar nicht lange ungenutzt. Laut Jassy nehmen Kunden neue Kapazitäten nahezu unmittelbar in Anspruch. Der KI-Dienst Bedrock ist inzwischen der am schnellsten wachsende Multi-Milliarden-Dollar-Dienst in der Geschichte von AWS.

Andy Jassy, sinngemäß aus dem Englischen: AWS installiert etwa alle 14 Sekunden einen neuen KI-Beschleuniger. Fast so schnell, wie neue Kapazität entsteht, wird sie von Kunden aufgenommen.

AWS peilt 1 Billion US-Dollar Jahresumsatz an

Jassy erwartet, dass AWS innerhalb der kommenden fünf bis zehn Jahre zu einem Geschäft mit 1 Billion US-Dollar Jahresumsatz wird. Für das laufende Geschäftsjahr werden zunächst 184 Milliarden US-Dollar erwartet.

Im dritten Quartal setzte AWS knapp 46 Milliarden US-Dollar um. Das entspricht einem Wachstum von 39,3 % gegenüber dem Vorjahr. Für 2027 oder 2028 hält Jassy ein Wachstum von mindestens 40 % für möglich.

KennzahlWert
Erwarteter AWS-Jahresumsatz im laufenden Geschäftsjahr184 Milliarden US-Dollar
AWS-Umsatz im dritten Quartalknapp 46 Milliarden US-Dollar
AWS-Wachstum im dritten Quartal39,3 %
Langfristiges Umsatzziel1 Billion US-Dollar pro Jahr
Zeitraum für das langfristige Umsatzziel5 bis 10 Jahre
Erwartetes Wachstum 2027 oder 202840 % oder mehr

KI zieht Compute und Storage mit

Für AWS liegt der wirtschaftliche Wert nicht allein im Verkauf von KI-Rechenleistung. Kunden wollen Inferencing, also die Ausführung bereits trainierter Modelle, möglichst nahe an ihren Anwendungen und Daten betreiben. Dadurch steigt zugleich die Nachfrage nach klassischen Compute- und Storage-Diensten.

Auch Nachtraining, Reinforcement Learning und der Zugriff von Modellen auf externe Werkzeuge benötigen weitere Cloud-Ressourcen. KI wird damit zum Einstiegspunkt in ein breiteres Bündel aus Infrastruktur und verwalteten Diensten. AWS hat seine eigene Chip-Plattform zuletzt zudem mit TorchNeuron für PyTorch und Trainium ausgebaut.

Die Strategie rechnet sich laut Jassy bereits. Die Margen der KI-Dienste liegen demnach deutlich über den Margen, die klassische AWS-Dienste in einer vergleichbaren Entwicklungsphase erreichten.

Amazon investiert 220 Milliarden US-Dollar

Amazon plant für 2026 Investitionsausgaben von 220 Milliarden US-Dollar. Der Großteil soll in AWS fließen. Allein im abgelaufenen Quartal lagen die Investitionsausgaben bei 75,9 Milliarden US-Dollar.

Amazon-KennzahlWert
Geplante Investitionsausgaben 2026220 Milliarden US-Dollar
Investitionsausgaben im letzten Quartal75,9 Milliarden US-Dollar
Amazon-Gesamtumsatz im letzten Quartal180,17 Milliarden US-Dollar
Wachstum des Handelsgeschäfts6 %

Ob sich diese Investitionen später auf Preise und Cloud-Gebühren auswirken, bleibt offen. Amazon macht dazu keine konkrete Aussage. Klar ist jedoch, dass AWS deutlich schneller wächst als das Handelsgeschäft des Konzerns.

Andy Jassy, sinngemäß aus dem Englischen: KI ist die größte Transformation unseres Lebens. Es wäre bequemer, die nötigen Investitionen über 25 Jahre zu verteilen, doch so entwickelt sich der Markt nicht.

Cloud-Migration erhöht die Abhängigkeit

Jassy verweist darauf, dass rund 85 % der weltweiten IT-Ausgaben weiterhin auf On-Premises-Systeme entfallen. Er erwartet einen zehn bis zwanzig Jahre dauernden Zyklus, in dem sich dieses Verhältnis zugunsten der Cloud verschiebt.

Für Unternehmen im DACH-Raum betrifft das besonders ERP-Systeme, Datenbanken und andere Kernanwendungen, die noch in eigenen oder lokalen Rechenzentren laufen. KI kann den Migrationsdruck erhöhen, weil Modelle nahe an operativen Daten und bestehenden Anwendungen betrieben werden sollen.

Damit wächst jedoch auch das Risiko eines Vendor Lock-in. Wer Bedrock, proprietäre Beschleuniger, Storage, Datenbanken und Identitätsdienste eng kombiniert, kann einzelne Bestandteile später nur mit erheblichem Aufwand austauschen. Fragen zu DSGVO, Datenstandorten und digitaler Souveränität bleiben ebenfalls relevant, wie auch die Debatte über die Kosten europäischer Cloud-Souveränität zeigt.

Self-Hosting bleibt eine strategische Alternative

Die Investitionen von AWS zeigen, wie stark KI zur Wachstumsmaschine für klassische Cloud-Abonnements wird. Die eigentliche Modellnutzung ist nur ein Teil der Rechnung. Compute, Storage, Netzwerkverkehr und verwaltete Zusatzdienste können die laufenden Kosten erheblich erweitern.

Für sensible oder planbare Workloads lohnt deshalb ein Vergleich mit Open-Source-Modellen auf eigener oder regional betriebener Infrastruktur. Self-Hosting verursacht eigenen Betriebsaufwand, kann aber Kosten besser kalkulierbar machen und Abhängigkeiten reduzieren. Dass Open-Weight-Modelle auch wirtschaftlich relevant werden, zeigt das Beispiel einer Senkung der Token-Kosten durch Open-Weight-KI.

Entscheidend ist damit nicht nur, welches Modell die beste Qualität liefert. Ebenso wichtig sind Datenhoheit, Wechselkosten und die Frage, welche Infrastruktur langfristig unter eigener Kontrolle bleiben soll.