Cambium: cnMaestro Cloud droht das Aus

Cambium Networks ist insolvent und könnte die Unterstützung für Enterprise-Geräte in cnMaestro Cloud nach dem 1. Oktober 2026 einstellen. Kunden sollen auf eine lokale Installation wechseln, erhalten dafür bislang aber nur eine 90-Tage-Testlizenz.

Cambium: cnMaestro Cloud droht das AusBild: KI-generiert

Cambium Networks schickt Kunden ins Self-Hosting

Der britische Netzwerkhersteller Cambium Networks befindet sich in Insolvenzverwaltung. Für Unternehmen mit WLAN-Access-Points, cnMatrix-Switches oder NSE-Firewalls des Herstellers wird damit nicht nur die weitere Hardwareversorgung unsicher. Auch die zentrale Verwaltung der bereits installierten Geräte ist gefährdet.

Nach Angaben des Unternehmens soll cnMaestro Cloud mindestens bis zum 1. Oktober 2026 weiterlaufen. Danach unterstützt die Plattform Enterprise-Geräte möglicherweise nicht mehr. Cambium empfiehlt deshalb, möglichst schnell die lokal betriebene On-Premises-Version von cnMaestro zu installieren.

Sinngemäß erklärt Cambium, man sei sich des Schocks und der schwierigen Lage bewusst, in die Kunden und Partner geraten seien.

On-Premises-Version kommt nur mit Testlizenz

Der angebotene Ausweg hat einen entscheidenden Haken. Die lokale cnMaestro-Software wird derzeit nur mit einer 90-Tage-Testlizenz bereitgestellt. Nach Ablauf dieser Frist könnten Funktionen entfallen, wobei Cambium nicht konkretisiert, welche Bereiche betroffen wären.

Eine dauerhafte Lösung hängt offenbar davon ab, ob ein Käufer für das Enterprise-Geschäft gefunden wird und reguläre Lizenzen anbietet. Ob und wann das geschieht, ist bislang nicht bestätigt. Damit verlagert sich das Risiko lediglich von der ausfallgefährdeten Cloud auf ein ebenfalls unsicheres Lizenzmodell.

PunktStand
cnMaestro CloudBetrieb mindestens bis 1. Oktober 2026 vorgesehen
Enterprise-UnterstützungNach dem 1. Oktober 2026 möglicherweise nicht mehr verfügbar
Lokale cnMaestro-Lizenz90 Tage Testlaufzeit
Entlassungen260 Beschäftigte, 53,6 % der Belegschaft

Produktion mehrerer Produktlinien endet

Cambium stellt die Produktion seiner Wi-Fi-Access-Points, NSE-Firewalls und cnMatrix-Switches ein. Distributoren und Insolvenzverwalter verkaufen die vorhandenen Bestände. Der Geschäftsbereich Fixed Wireless Broadband soll dagegen nach einer kurzen Unterbrechung voraussichtlich weitergeführt werden.

Der Insolvenz gingen erhebliche Probleme voraus. Cambium hatte 260 Beschäftigte ohne Abfindung entlassen. Zuvor war das Unternehmen nach fehlerhaften Finanzberichten von der NASDAQ gestrichen worden.

Was IT-Verantwortliche jetzt absichern müssen

Für betroffene Unternehmen im DACH-Raum ist zunächst entscheidend, sämtliche Cambium-Installationen zu erfassen. Konfigurationen, Zugangsdaten und verfügbare Sicherungen sollten unabhängig von cnMaestro Cloud dokumentiert werden. Parallel lässt sich prüfen, ob die lokale Verwaltung in der bestehenden Infrastruktur vollständig funktioniert.

Auch die 90-Tage-Frist muss in die Planung einfließen. Eine erfolgreiche Migration auf einen eigenen Management-Server garantiert noch keinen dauerhaften Betrieb, solange die Lizenzfrage ungeklärt bleibt. Mittelfristig sind deshalb Ersatzhardware, alternative Verwaltungslösungen und ein geordneter Herstellerwechsel zu bewerten.

Der Fall zeigt ein grundsätzliches Problem cloudverwalteter Hardware. Eigentum am physischen Gerät bedeutet nicht automatisch Kontrolle über dessen Verwaltung. Fällt der Anbieter aus, kann die zentrale Steuerung trotz funktionsfähiger Access Points, Firewalls und Switches verloren gehen.

Ähnliche Abhängigkeiten stehen auch bei der Diskussion über einen möglichen VMware-Lock-in unter Broadcom im Mittelpunkt. Wie schnell eine zentrale Plattform zum Betriebsrisiko wird, zeigte zudem der weltweite Salesforce-Ausfall.

Cloud-Management braucht einen belastbaren Notausgang

Bei künftigen Beschaffungen sollte eine lokale Verwaltung nicht nur technisch verfügbar, sondern dauerhaft lizenzierbar sein. Dazu gehören exportierbare Konfigurationen, dokumentierte Schnittstellen und ein Betrieb ohne laufende Verbindung zum Hersteller. Eine zeitlich begrenzte Notfalllizenz erfüllt diese Anforderungen nicht.

Self-Hosting reduziert zwar nicht jeden Aufwand. Es schafft aber eine zusätzliche Kontrollebene, wenn Cloud-Dienste eingestellt, verkauft oder grundlegend verändert werden. Bei Netzwerkkomponenten mit mehrjähriger Nutzungsdauer ist diese Unabhängigkeit kein Zusatzmerkmal, sondern Teil der betrieblichen Risikovorsorge.