Crusoe finanziert die nächste Ausbaustufe
Der KI-Infrastrukturbetreiber Crusoe hat in einer Series-F-Runde 3,9 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Die neue Finanzierung bewertet das Unternehmen mit 30,9 Milliarden US-Dollar.
Das Kapital soll sowohl bestehende Großrechenzentren als auch modulare Kleinstrechenzentren namens Spark finanzieren. Zu den bestehenden Projekten gehört ein Standort in Abilene im US-Bundesstaat Texas, den OpenAI nutzt.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Aktuelle Series-F-Runde | 3,9 Milliarden US-Dollar |
| Neue Unternehmensbewertung | 30,9 Milliarden US-Dollar |
| Vorherige Finanzierungsrunde vor 10 Monaten | 1,38 Milliarden US-Dollar |
| Vorherige Bewertung | 10 Milliarden US-Dollar |
| Cloud-Vertrag mit Jane Street | 13 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre |
Damit setzt Crusoe den bereits begonnenen Ausbau seiner KI-Infrastruktur fort. Innerhalb von zehn Monaten hat sich die ausgewiesene Bewertung von 10 Milliarden auf 30,9 Milliarden US-Dollar erhöht.
Spark bringt Rechenzentren auf den Lkw
Spark bezeichnet vorgefertigte, modulare Rechenzentren, die Crusoe in eigenen Fabriken bauen will. Die Einheiten lassen sich per Lkw transportieren und an Standorten mit großen Stromquellen anschließen.
Das Konzept soll den Bauaufwand am Einsatzort reduzieren und zusätzliche Rechenkapazität schneller verfügbar machen. Zugleich könnten kleinere Module lokale Widerstände vermeiden, die bei großflächigen Rechenzentrumsprojekten häufig entstehen.
Wo Crusoe die Spark-Systeme konkret einsetzen will, ist bislang nicht bekannt. Insbesondere für Standorte außerhalb der USA nennt das Unternehmen keine Pläne.
Sinngemäß übersetzt erklärte Crusoe-Mitgründer und CEO Chase Lochmiller, für den Aufbau einer von KI geprägten Wirtschaft müsse das Unternehmen die Infrastruktur von den Elektronen bis zu den Tokens kontrollieren.
Die Formulierung beschreibt den Anspruch recht genau. Crusoe will nicht nur Rechenleistung verkaufen, sondern möglichst viele Ebenen von der Stromversorgung über Gebäude und GPUs bis zur Modellverarbeitung kontrollieren.
Drei Erlösquellen statt klassischem SaaS-Modell
Das Geschäftsmodell basiert auf drei Säulen. Crusoe vermietet Rechenzentrumsfläche für kundeneigene GPUs, stellt eigene GPUs zur Miete bereit und verkauft Rechenleistung für die Inferenz. Damit ist die Ausführung bereits trainierter KI-Modelle gemeint.
- Colocation: Kunden bringen eigene GPUs mit und mieten Fläche, Energie und Infrastruktur.
- GPU-Vermietung: Crusoe stellt eigene Beschleuniger gegen Entgelt bereit.
- Inferenz: Kunden beziehen Rechenleistung für den produktiven Betrieb von KI-Modellen.
Welche GPU-Modelle angeboten werden und wie die Preise im Vergleich zu großen Cloud-Anbietern ausfallen, wurde nicht veröffentlicht. Ein belastbarer Kostenvergleich ist daher derzeit nicht möglich.
Zu den Kunden gehören OpenAI, Meta, Microsoft, Oracle und das quantitative Handelsunternehmen Jane Street. Mit Jane Street hat Crusoe einen Cloud-Vertrag über 13 Milliarden US-Dollar und fünf Jahre abgeschlossen.
Investoren und Verwaltungsrat werden prominenter
Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von Atreides Management, Mubadala Capital und Valor Equity Partners. Außerdem beteiligten sich Nvidia, Founders Fund, GIC, die Qatar Investment Authority, Radical Ventures und TPG.
Drei neue Mitglieder ziehen in den Verwaltungsrat ein. Dazu gehören Cloudflare-CFO Thomas Seifert, Primary-Digital-Infrastructure-CIO Bill Stein und Redwood-Materials-Chef JB Straubel. Straubel hatte bereits 2021 persönlich in Crusoe investiert.
Berichten zufolge führte Crusoe zudem Vorgespräche mit Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley über einen möglichen Börsengang. Ob und wann dieser stattfindet, ist bislang nicht bestätigt.
Vom Krypto-Mining zur KI-Infrastruktur
Crusoe wurde 2018 gegründet und nutzte zunächst abgefackeltes Erdgas für Krypto-Mining. Mit der steigenden Nachfrage nach KI-Rechenleistung verlagerte das Unternehmen sein Geschäft vollständig auf Rechenzentren und GPU-Infrastruktur.
Die hohe Finanzierung zeigt, wie kapitalintensiv dieser Markt inzwischen ist. Gleichzeitig bleibt offen, wie viel der angekündigten Kapazität tatsächlich benötigt wird. In den USA stehen bereits rund um die gemeldete Rechenzentrumsnachfrage von 700 GW Zweifel an möglichen Doppelzählungen und spekulativen Anschlussanfragen im Raum.
Was das für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet
Crusoe schafft zusätzliche Optionen jenseits klassischer Software-Abonnements. Unternehmen können eigene Modelle betreiben oder Open-Source-LLMs nutzen und dafür flexible Infrastruktur mieten. Das ergänzt den wirtschaftlichen Vorteil, den Open-Weights-Modelle bei passenden Anwendungen bieten können.
Die Abhängigkeit verschwindet dadurch allerdings nicht. Sie verschiebt sich vom SaaS-Anbieter zum Betreiber der physischen Infrastruktur. Wenn GPUs, Stromversorgung und Inferenzkapazitäten bei wenigen hochkapitalisierten US-Anbietern konzentriert sind, bleiben Preisgestaltung, Verfügbarkeit und Vertragsbedingungen außerhalb der eigenen Kontrolle.
Für europäische Unternehmen kommen Datenschutz und Datensouveränität hinzu. Ohne lokale Hosting-Angebote oder eigene Infrastruktur kann die wachsende US-Kapazität zwar den Zugang zu Rechenleistung verbessern, sie verstärkt aber zugleich die strategische Abhängigkeit von außereuropäischen Standorten und Betreibern.

