AWS bestätigt endgültigen Datenverlust in Bahrain

AWS kann Daten und Cloud-Ressourcen aus der Region Bahrain sowie einer Availability Zone in den VAE nach kriegsbedingten Schäden nicht wiederherstellen. Der Vorfall zeigt, dass Multi-AZ-Architekturen keinen regionalen Totalausfall abdecken und externe Backups unverzichtbar bleiben.

AWS bestätigt endgültigen Datenverlust in BahrainBild: KI-generiert

AWS kann Cloud-Daten nicht wiederherstellen

Amazon Web Services hat den endgültigen Verlust von Cloud-Ressourcen im Nahen Osten bestätigt. Daten, die ausschließlich in der AWS-Region Bahrain mit der Kennung me-south-1 gespeichert waren, lassen sich nach kriegsbedingten Schäden nicht mehr erreichen oder wiederherstellen.

Auch die Availability Zone mec1-az2 in den Vereinigten Arabischen Emiraten gilt als dauerhaft verloren. Eine Availability Zone ist ein räumlich getrennter Standort innerhalb einer Cloud-Region, der aus einem oder mehreren Rechenzentren bestehen kann.

Die Schäden erstreckten sich über mehrere Availability Zones und überstiegen das, wofür die regionalen und Multi-AZ-Dienste ausgelegt sind, erklärte AWS sinngemäß.

Angriffe überfordern die regionale Redundanz

In Bahrain wurde im März 2026 zunächst eine Availability Zone beschädigt. Im April fiel auch die zweite Zone aus, wodurch die gesamte Region me-south-1 nicht mehr verfügbar war.

In den VAE trafen Drohnenangriffe im März zwei AWS-Standorte. AWS kann den Zugriff auf Ressourcen und Daten in mec1-az2 nicht wiederherstellen. In den beiden übrigen Zonen mec1-az1 und mec1-az3 laufen weiterhin Wiederherstellungsarbeiten.

StandortBetroffene InfrastrukturStatus
BahrainRegion me-south-1 mit mehreren Availability ZonesKomplettausfall, exklusiv dort gespeicherte Daten nicht wiederherstellbar
VAEmec1-az2, 1 von 3 Availability ZonesDauerhaft verloren
VAEmec1-az1 und mec1-az3Wiederherstellung läuft, Dauer nicht bekannt

Wie viele Kunden und welches Datenvolumen betroffen sind, ist nicht bekannt. Ebenso offen bleibt, ob AWS für den Verlust haftet und welche vertraglichen Regelungen für Schäden durch Krieg oder höhere Gewalt greifen.

Multi-AZ schützt nicht vor dem Ausfall einer Region

Die Verteilung auf mehrere Availability Zones schützt grundsätzlich vor dem Ausfall einzelner Standorte. Sie bleibt jedoch an eine gemeinsame geografische Region und deren physische Infrastruktur gebunden. Genau diese Grenze wurde in Bahrain überschritten.

Ein regionaler Totalausfall erfordert Backups und betriebsbereite Wiederanlaufverfahren in einer anderen Region. AWS und weitere Technologieanbieter hatten deshalb empfohlen, Workloads und Sicherungen in alternative Regionen zu verlagern, vorzugsweise nach Europa.

Kunden sollten ihre Notfallpläne aktivieren, Daten aus externen Backups in anderen Regionen wiederherstellen und den Datenverkehr von den betroffenen Regionen wegführen, so AWS sinngemäß.

Eine Multi-Cloud-Architektur kann die Abhängigkeit von einer einzelnen Region oder einem einzelnen Anbieter reduzieren. Die direkte Cloud-Verbindung zwischen Azure und AWS zeigt, dass sich solche Architekturen technisch enger verzahnen lassen. Eine Verbindung allein ersetzt allerdings weder eine getrennte Datensicherung noch einen getesteten Wiederanlaufplan.

Konsequenzen für Unternehmen im DACH-Raum

Für Unternehmen mit Niederlassungen oder Kunden im Nahen Osten ist die Konsequenz unmittelbar. Geschäftskritische Daten dürfen nicht ausschließlich in einer dortigen Cloud-Region liegen, auch wenn Anwendungen über mehrere Availability Zones verteilt sind.

Eine belastbare Strategie benötigt mindestens eine standortübergreifende Sicherung. Diese kann in einer europäischen Cloud-Region, bei einem zweiten Anbieter oder auf eigener Infrastruktur liegen. Entscheidend ist, dass die Sicherung nicht von derselben regionalen Infrastruktur abhängt.

Der Vorfall unterscheidet sich damit deutlich von einem vorübergehenden Dienstausfall, wie er zuletzt mehrere große KI-Anbieter gleichzeitig traf. Beim Ausfall von OpenAI, Anthropic, xAI und Google stand die zeitweise Verfügbarkeit im Mittelpunkt. In Bahrain geht es dagegen um Ressourcen, auf die dauerhaft nicht mehr zugegriffen werden kann.

Cloud-Abos ersetzen keine eigene Resilienz

Der Betrieb bei einem Hyperscaler verlagert Hardware, Wartung und viele Betriebsaufgaben zum Anbieter. Die Verantwortung für die geografische Verteilung der Daten und für externe Sicherungen bleibt dennoch beim Kunden.

Für kritische Systeme reicht es deshalb nicht, die Hochverfügbarkeitsoptionen einer einzelnen Region zu buchen. Herstellerunabhängige Backups, Self-Hosting von Kernkopien oder eine Kombination aus Cloud und eigener Infrastruktur begrenzen den möglichen Schaden. Sie erhöhen zwar den Betriebsaufwand, reduzieren aber die Abhängigkeit von einem einzelnen Standort und Anbieter.