Externe KI-Agenten bleiben bei DoorDash bedeutungslos
Der praktische Einsatz autonomer KI-Agenten liegt im Onlinehandel weiterhin weit hinter dem öffentlichen Interesse zurück. DoorDash-CEO Tony Xu beziffert die Zahl der Bestellungen durch externe Agenten auf insgesamt mehrere hundert. Allein im dritten Quartal 2026 wickelte die Plattform dagegen knapp eine Milliarde Bestellungen ab.
Die beiden Angaben beziehen sich nicht auf denselben Zeitraum und ergeben daher keine exakte Nutzungsquote. Die Größenordnung zeigt dennoch, wie gering der tatsächliche Transaktionsverkehr über externe KI-Systeme bislang ist.
| Kennzahl | Angabe von DoorDash |
|---|---|
| Bestellungen durch externe KI-Agenten | Mehrere hundert seit Betriebsbeginn |
| Gesamtbestellungen | Knapp 1 Milliarde im 3. Quartal 2026 |
| Verfügbarkeit des MCP-Konnektors | Seit weniger als einem Monat |
| Zugang | Ausgewählte Beta-Partner |
„KI-Agenten haben über die gesamte bisherige Betriebszeit mehrere hundert Bestellungen auf DoorDash generiert“, erklärte Xu sinngemäß übersetzt.
MCP öffnet die Plattform, aber zunächst nur begrenzt
DoorDash hat vor weniger als einem Monat einen Konnektor für das Model Context Protocol eingeführt. MCP ist ein offener Standard, über den KI-Anwendungen auf externe Werkzeuge und Datenquellen zugreifen können. Der Konnektor soll Drittanbieter-Agenten einen standardisierten Zugang zu Bestellfunktionen geben.
Der Zugang ist derzeit auf ausgewählte Beta-Partner beschränkt. Nach Angaben des Unternehmens wird er vor allem für automatisierte Firmen-Mittagessen eingesetzt. Welche externen Agenten beteiligt sind, nennt DoorDash nicht.
Die geringe Bestellzahl ist deshalb noch kein abschließendes Urteil über MCP-basierten Handel. Sie zeigt aber, dass eine verfügbare Schnittstelle allein noch keine relevante Nachfrage erzeugt. Auch Walmart öffnet seinen Einkauf per MCP für KI-Agenten, doch der tatsächliche Kundennutzen solcher Integrationen muss sich erst im laufenden Betrieb beweisen.
„Bei Technologie sollte man nicht gegen die Schwerkraft ankämpfen. Gleichzeitig darf man sich keine Illusionen machen“, sagte Xu sinngemäß übersetzt.
Einfache Bestellungen brauchen offenbar keinen Agenten
Xu erwartet den größeren Nutzen autonomer Agenten bei komplexen Kaufentscheidungen mit längerer Abwägung. Dort kann ein System Angebote vergleichen, Informationen sammeln und Aufgaben im Hintergrund bearbeiten. Bei einer einfachen Essensbestellung greifen Kunden nach seiner Einschätzung dagegen eher direkt auf DoorDash zu.
Das ist für Plattformbetreiber relevant. Nicht jeder Prozess wird besser, nur weil ein externer Agent zwischengeschaltet wird. Bei häufigen und vertrauten Abläufen bleiben eine schnelle Oberfläche, gespeicherte Präferenzen und ein kurzer Bestellweg schwer zu ersetzen.
Ask DoorDash liefert messbarere Ergebnisse
Deutlich bessere Kennzahlen meldet DoorDash für Ask DoorDash, den eigenen KI-Assistenten innerhalb der Plattform. Die Funktion kann beispielsweise aus einem Rezeptbild einen Warenkorb erstellen oder auf Basis einer groben Beschreibung eine passende Bestellung zusammenstellen.
| Kennzahl bei Ask DoorDash | Gemeldeter Effekt |
|---|---|
| Erstellung des Warenkorbs | 5-mal schneller |
| Durchschnittlicher Warenkorbwert | Knapp 50 % höher |
| Anzahl unterschiedlicher Artikel | Rund 60 % höher |
| Bestellungen bei zuvor ungenutzten Restaurants | Fast 50 % |
Diese Werte stammen von DoorDash. Eine genaue Zahl der Nutzer von Ask DoorDash wurde nicht veröffentlicht. Trotzdem deutet der Vergleich darauf hin, dass direkt in einen bestehenden Prozess eingebettete KI derzeit einen greifbareren Nutzen liefert als vollständig externe Bestellagenten.
Was Unternehmen im DACH-Raum daraus ableiten können
DoorDash ist vor allem im US-Markt relevant. Im DACH-Raum prägen Lieferando, Wolt und Uber Eats den Markt. Ob und wann diese Anbieter vergleichbare MCP-Schnittstellen öffnen, ist bislang nicht bestätigt.
Für E-Commerce- und SaaS-Anbieter liefern die Zahlen dennoch einen brauchbaren Maßstab. Offene Schnittstellen können Abhängigkeiten reduzieren und zukünftige Integrationen erleichtern. Sie rechtfertigen aber noch keine großen Umsatzprognosen für den sogenannten Agentic Commerce, also Käufe, die ein KI-Agent weitgehend selbstständig ausführt.
Die sinnvollere Reihenfolge besteht derzeit darin, interne Prozesse gezielt mit KI zu verbessern, Ergebnisse zu messen und erst danach zusätzliche Vertriebskanäle für externe Agenten auszubauen. Das passt zur breiteren Erfahrung, dass nur wenige KI-Projekte ihre Renditeziele erreichen. Entscheidend sind nicht die Anzahl der Integrationen oder neue Abomodule, sondern kürzere Abläufe, geringere Kosten und nachweisbar bessere Geschäftsergebnisse.

