DuckLabs schließt sich Amazon Web Services an
DuckLabs, das Entwicklerteam hinter der Analysedatenbank DuckDB, wird Teil von Amazon Web Services. Der Zusammenschluss soll Anfang September 2026 wirksam werden. Finanzielle Details wurden nicht genannt.
Das mehr als 30 Personen starke Team bleibt in Amsterdam und arbeitet weiter an DuckDB, DuckLake und Quack. DuckDB ist eine eingebettete Analysedatenbank, die direkt innerhalb einer Anwendung läuft und keinen separaten Datenbankserver benötigt.
DuckLabs und AWS arbeiten bereits seit mindestens einem Jahr zusammen. AWS selbst spricht von rund zwei Jahren enger Zusammenarbeit. Künftig sollen die Datenbanktechnik von DuckLabs sowie die Infrastruktur und Kundenreichweite von AWS enger verbunden werden.
| Kennzahl | Angabe |
|---|---|
| Geplanter Wirksamkeitstermin | Anfang September 2026 |
| Teamgröße | Mehr als 30 Mitarbeiter |
| Standort | Amsterdam |
| Downloads | Mehr als 1 Million pro Tag |
| Lizenz der Kernprojekte | MIT-Lizenz |
| Rechteinhaberin | DuckDB Foundation |
Open Source bleibt bei der DuckDB Foundation
Entscheidend ist die rechtliche Konstruktion. DuckDB, DuckLake, Quack und die weiteren offenen Komponenten des sogenannten Duck Stack bleiben unter der MIT-Lizenz verfügbar. Die geistigen Eigentumsrechte an Open-Source-DuckDB liegen weiterhin bei der gemeinnützigen DuckDB Foundation.
Als DuckLabs aus dem CWI ausgegründet wurde, entstand die Stiftung als dauerhafte Rechteinhaberin von Open-Source-DuckDB. Daran soll sich auch nach dem Wechsel zu AWS nichts ändern, erklärte Peter Boncz von der DuckDB Foundation sinngemäß aus dem Englischen.
Damit bleibt lokaler Betrieb ebenso möglich wie Self-Hosting in der eigenen Infrastruktur oder bei einem anderen Cloud-Anbieter. Unternehmen müssen DuckDB nach aktuellem Stand weder über AWS beziehen noch Daten an einen AWS-Dienst übertragen.
Die Stiftung soll zusätzlich ein Technical Advisory Board erhalten. Dieses technische Beratungsgremium soll erfahrene Mitglieder der Community stärker an der weiteren Ausrichtung beteiligen. Außerdem ist geplant, den Erweiterungsmechanismus zu öffnen, damit DuckDB auch signierte Erweiterungen externer Entwickler und Organisationen ausführen kann.
Warum AWS an DuckDB interessiert ist
DuckDB verarbeitet analytische Abfragen direkt dort, wo eine Anwendung oder ein Notebook läuft. Das reduziert bei passenden Einsatzfällen den Bedarf an dauerhaft betriebenen Datenbankdiensten. Für AWS ist die Technik dennoch attraktiv, weil sie bereits intensiv im Umfeld des Objektspeichers S3 genutzt wird.
DuckDB sei ein außergewöhnliches Open-Source-Projekt mit einer starken Community und werde von S3-Kunden bereits breit eingesetzt und geschätzt, sagte AWS-Manager Andy Warfield sinngemäß aus dem Englischen.
Welche proprietären AWS-Dienste künftig auf DuckDB, DuckLake oder Quack aufbauen könnten, ist bislang offen. Angekündigt ist lediglich eine neue Generation von Datendiensten auf Basis des Duck Stack. Konkrete Produkte, Preise oder exklusive Funktionen wurden nicht genannt.
Mehr Ressourcen, aber neue Abhängigkeiten
DuckLabs wurde vor etwas mehr als fünf Jahren ohne Risikokapital aufgebaut und gehörte vollständig den Gründern sowie Entwicklern. In dieser Zeit stieg die Nutzung auf mehr als 1 Million Downloads pro Tag. Das bisherige Modell stieß nach Angaben des Teams bei Support, Infrastruktur und internationaler Reichweite zunehmend an Grenzen.
AWS kann diese Ressourcen bereitstellen. Gleichzeitig entsteht ein struktureller Interessenkonflikt: Die Hauptentwickler eines unabhängigen Open-Source-Projekts werden künftig von einem großen Cloud-Anbieter beschäftigt. Ob DuckDB langfristig ebenso neutral gegenüber Azure, Google Cloud und anderen Plattformen bleibt, lässt sich derzeit nicht beurteilen.
Diese Frage ist auch vor dem Hintergrund wachsender Cloud-Alternativen zu AWS relevant. Technische Offenheit allein verhindert keine faktische Bindung, wenn neue Funktionen zuerst oder ausschließlich für die Infrastruktur eines einzelnen Anbieters optimiert werden.
Was der Wechsel für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet
DuckDB ist für Unternehmen interessant, die Daten lokal analysieren möchten, ohne ein umfangreiches Cloud-Data-Warehouse zu betreiben. Die Datenbank kann innerhalb bestehender Anwendungen laufen und unterstützt damit Architekturen, bei denen sensible Daten in der eigenen Umgebung verbleiben.
Gerade im DACH-Raum sind Kostenkontrolle, Datenschutz und Datensouveränität wichtige Argumente für diesen Ansatz. DuckDB kann in geeigneten Szenarien eine schlanke Alternative zu kostenpflichtigen Analyseplattformen sein. Gleichzeitig bauen Anbieter wie Databricks ihr Datenbankangebot für neue KI-Anwendungen weiter aus.
Die MIT-Lizenz und die Rechteverwaltung durch eine unabhängige Stiftung in den Niederlanden begrenzen das unmittelbare Risiko eines Vendor-Lock-in. Selbst wenn AWS die kommerzielle Ausrichtung verändert, bleibt der bestehende offene Code nutzbar und kann unabhängig weiterentwickelt werden.
Für IT-Verantwortliche bleibt dennoch wichtig, nicht nur auf die Lizenz zu schauen. Relevant sind auch die künftige Entwicklungsroadmap, die Verteilung der Commit-Rechte, die Offenheit des Erweiterungsökosystems und mögliche Abhängigkeiten von S3 oder anderen AWS-Schnittstellen.
Die Governance wird zum entscheidenden Prüfstein
Der Wechsel zu AWS verschafft DuckDB voraussichtlich mehr Entwicklungsressourcen und eine größere Reichweite. Ob daraus ein dauerhaft ausgewogenes Modell entsteht, hängt jedoch von der tatsächlichen Rolle der DuckDB Foundation und des geplanten Technical Advisory Board ab.
Für europäische Anwender bleibt der Status zunächst günstig: offene Lizenz, unabhängige Rechteinhaberin und weiterhin ein Entwicklerteam in Amsterdam. Beobachtet werden muss, ob diese formale Unabhängigkeit auch in der technischen Priorisierung sichtbar bleibt.

