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Ema erhält 77 Millionen Dollar für KI-Agenten

Ema erhält 77 Millionen US-Dollar für eine Plattform, die mehrstufige Unternehmensprozesse mit KI-Agenten automatisiert. Statt Nutzerlizenzen oder Token rechnet das Startup erledigte Aufgaben und Geschäftsergebnisse ab und will damit klassische SaaS-Anwendungen teilweise ersetzen.

Ema erhält 77 Millionen Dollar für KI-AgentenBild: KI-generiert

77 Millionen US-Dollar für Emas Agenten-Plattform

Das US-Startup Ema hat in einer Series-B-Runde 77 Millionen US-Dollar eingesammelt. Angeführt wurde die Finanzierung vom indischen Risikokapitalgeber Creaegis. Die Bestandsinvestoren Accel, Section 32 und Prosus erhöhten ihre Beteiligungen.

Insgesamt hat das 2023 gegründete Unternehmen damit 140 Millionen US-Dollar Risikokapital aufgenommen. Ema sitzt in Mountain View und beschäftigt an seinen Standorten in den USA, Bengaluru, London und Vancouver fast 200 Mitarbeiter. Die aktuelle Unternehmensbewertung wurde nicht veröffentlicht.

Das neue Kapital soll vor allem in Vertrieb und Marketing fließen. Neben den bisherigen Schwerpunkten USA und Europa plant Ema eine Expansion in den asiatisch-pazifischen Raum, nach Südamerika und in Teile des Nahen Ostens.

KI-Agenten übernehmen komplette Geschäftsprozesse

Ema wurde von Surojit Chatterjee, zuvor bei Google und Coinbase, sowie dem ehemaligen Okta-Manager Souvik Sen gegründet. Die Plattform koordiniert mehrere KI-Agenten, um mehrstufige Prozesse in Personalwesen, IT und Finanzen auszuführen. Ema bezeichnet diese Systeme als AI employees.

Anders als ein einzelner Assistent soll die Plattform Aufgaben über mehrere vorhandene Unternehmensanwendungen hinweg bearbeiten. Dazu gehören nicht nur Abfragen, sondern auch konkrete Aktionen innerhalb eines Prozesses. Dieser Ansatz entspricht dem Trend zu Frameworks für koordinierte KI-Agenten, verlagert den Schwerpunkt aber stärker auf betriebliche Abläufe und Integrationen.

Technisch greift Ema nach eigenen Angaben auf mehr als 150 Frontier- und Open-Source-Modelle zurück. Frontier-Modelle sind besonders leistungsfähige Modelle führender Anbieter. Ema positioniert sich daher nicht als Modellhersteller, sondern als Orchestrierungsplattform mit Integrationen und branchenspezifischem Prozesswissen.

„Der Fortschritt bei den führenden KI-Modellen kommt uns unmittelbar zugute“, erklärt Gründer Surojit Chatterjee sinngemäß.

Die breite Modellauswahl kann das Risiko reduzieren, vollständig von einem einzelnen Modellanbieter abhängig zu sein. Sie beseitigt die Plattformabhängigkeit jedoch nicht. Unternehmen verlagern einen Teil des Lock-ins lediglich von der klassischen Geschäftsanwendung auf die Orchestrierungsschicht.

SaaS-Anwendungen werden zur Datenhaltung degradiert

Ema legt sich zunächst als zusätzliche Schicht über vorhandene Enterprise-Software. Die bestehenden Anwendungen bleiben dabei Datenquelle und Transaktionssystem. Wenn die eigentliche Bedienung und Prozesslogik zunehmend über Agenten läuft, verliert jedoch die Benutzeroberfläche der ursprünglichen SaaS-Anwendung an Bedeutung.

„Viele Kunden sind bereits dabei, große SaaS-Anwendungen vollständig zu ersetzen und ihre Abhängigkeit davon aufzulösen, weil diese im Grunde nur noch wie eine Datenbank genutzt werden“, sagt Chatterjee in sinngemäßer deutscher Übersetzung.

Das trifft einen Schwachpunkt klassischer SaaS-Modelle. Wenn Mitarbeiter nicht mehr direkt in jeder Anwendung arbeiten, lassen sich hohe Lizenzkosten pro Nutzer schwerer rechtfertigen. Dass auch etablierte Anbieter ihre Abrechnung überdenken, zeigt das geplante neue Preismodell für Salesforce-KI-Agenten.

Ema berechnet weder Nutzerplätze noch den reinen Token-Verbrauch. Der Preis wird stattdessen an erledigte Aufgaben und Geschäftsergebnisse gekoppelt. Damit verschiebt sich die Kalkulation von der Softwarebereitstellung zum wirtschaftlichen Resultat.

Mehrjahresverträge im Wert von 150 Millionen Dollar

Das Unternehmen nennt mehrere Kennzahlen, die auf eine schnelle Verbreitung bei Großkunden hindeuten. Dazu zählen NTT DATA, Hitachi, ADP, PwC, Google, KPMG, Wipro und Microsoft.

KennzahlAngabe von Ema
Aktive GroßkundenverträgeÜber 50
Aktive Nutzer in UnternehmenÜber 1 Million
Ausgeführte Aktionen und AbfragenÜber 5 Millionen
Verbuchte MehrjahresverträgeÜber 150 Millionen US-Dollar
Umsatzwachstum in zwei Jahren50-fach
Net Dollar RetentionRund 180 %
BruttomargeNahezu 80 %
Kunden mit zusätzlichen WorkflowsÜber 90 %

Die 150 Millionen US-Dollar sind nicht mit jährlich wiederkehrendem Umsatz gleichzusetzen. Es handelt sich um den Gesamtwert verbuchter Verträge, darunter Vereinbarungen über zwei oder drei Jahre. Einen aktuellen annualisierten Umsatz nennt Ema nicht.

Eine Net Dollar Retention von rund 180 % bedeutet, dass bestehende Kunden ihre Ausgaben im Durchschnitt deutlich ausgebaut haben. Nach Unternehmensangaben erweiterten mehr als 90 % der Kunden den Einsatz nach dem ersten Anwendungsfall auf weitere Arbeitsabläufe.

Auch klassische IT-Dienstleistungen geraten unter Druck

Ema zielt nicht nur auf Softwarebudgets. KI-Agenten können auch Teile der Implementierung, Integration und Beratung übernehmen, die bisher von IT-Dienstleistern erbracht wurden. Mehrere Dienstleistungsunternehmen setzen die Plattform selbst ein und verändern damit ihr bisher stark personalbasiertes Geschäftsmodell.

Eine Bruttomarge von nahezu 80 % zeigt zugleich, dass ergebnisbasierte Abrechnung nicht automatisch einem klassischen Beratungsgeschäft entspricht. Laut Ema sinkt der menschliche Unterstützungsaufwand, wenn die Systeme aus weiteren Einsätzen lernen. Ob diese Marge bei komplexeren und stärker regulierten Prozessen stabil bleibt, ist bislang offen.

Was der Ansatz für DACH-Unternehmen bedeutet

Für Unternehmen im DACH-Raum ist vor allem die Entkopplung von Oberfläche, Prozesslogik und Datenhaltung relevant. Ein Agent kann verschiedene Systeme verbinden, während einzelne SaaS-Produkte auf ihre Funktion als Datenspeicher oder Transaktionssystem reduziert werden. Dadurch entsteht eine realistische Grundlage, um Pro-Kopf-Lizenzen und selten genutzte Funktionspakete neu zu bewerten.

Der Einkauf einer Plattform wie Ema spart gegenüber einer Eigenentwicklung zunächst Integrationsaufwand. Gleichzeitig entsteht eine neue Abhängigkeit von deren Orchestrierung, Schnittstellen und Preismodell. Alternativ können Unternehmen eigene Agentenschichten aufbauen und dabei von den sinkenden Kosten leistungsfähiger Open-Weights-Modelle profitieren.

Ungeklärt bleiben wichtige Punkte für europäische Unternehmen. Ema veröffentlicht in den vorliegenden Angaben keine Details zu Hosting, On-Premises-Betrieb, Datenschutz oder DSGVO-Konformität beim Zugriff auf mehr als 150 Modelle. Vor einem produktiven Einsatz wären daher Datenflüsse, Unterauftragnehmer, Modell-Routing, Zugriffsrechte und Protokollierung vertraglich und technisch zu prüfen.

Ema ersetzt das SaaS-Modell zudem nicht vollständig. Die Plattform schafft vielmehr eine neue Softwareebene, deren Nutzen an messbaren Ergebnissen statt an Nutzerkonten hängt. Für die Beschaffung wird deshalb entscheidend, wie ein Ergebnis definiert wird, wer Fehlerkosten trägt und ob Prozesse sowie Daten bei einem Anbieterwechsel portierbar bleiben.