Erster GeoBlock der Cape Station liefert Strom
Fervo Energy hat den ersten 33-MW-Block seiner Cape Station in Beaver County im US-Bundesstaat Utah ans Stromnetz angeschlossen. Zwei weitere Blöcke mit zusammen 66 MW sollen bis zum Jahreswechsel folgen. Damit würde das Geothermie-Kraftwerk zunächst eine Leistung von rund 100 MW erreichen.
Bis 2028 plant Fervo den Ausbau auf 500 MW. Das langfristige Potenzial des Standorts beziffert das Unternehmen auf mehr als 4 GW. Aktuell arbeitet Fervo an insgesamt 900 MW vertraglich zugesagter Kapazität.
Cape Station soll aus einem 33-MW-Startprojekt schrittweise eine Energiequelle im Gigawattbereich machen.
Geothermie mit Technik aus der Ölindustrie
Fervo nutzt Enhanced Geothermal Systems, kurz EGS. Dabei wird heißes Tiefengestein technisch erschlossen, auch wenn am Standort keine leicht zugänglichen natürlichen Wasservorkommen vorhanden sind. Wesentliche Verfahren stammen aus der Öl- und Gasindustrie.
Für Cape Station werden zwei parallele Bohrungen bis in rund 2.438 Meter Tiefe geführt. Das Gestein zwischen den Bohrungen wird aufgebrochen, sodass Wasser hindurchströmen kann. Im Untergrund erhitzt es sich auf etwa 190 °C und liefert anschließend Dampf für Turbinen.
Die technische Grundlage demonstrierte Fervo bereits 2023 mit Project Red. Das Pilotprojekt erreichte eine Leistung von 3,5 MW. Cape Station überträgt dieses Prinzip nun auf einen deutlich größeren Maßstab.
| Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Aktuell angeschlossene Leistung | 33 MW | Erster von drei GeoBlocks |
| Zusätzliche Leistung bis zum Jahreswechsel | 66 MW | Ziel sind insgesamt rund 100 MW |
| Ausbauziel bis 2028 | 500 MW | Geplante Kapazität der Cape Station |
| Langfristiges Standortpotenzial | mehr als 4 GW | Unternehmensschätzung von Fervo |
| Vertraglich zugesagte Kapazität | 900 MW | Aktueller Arbeitsumfang von Fervo |
| Bohrtiefe | rund 2.438 Meter | Zwei parallele Bohrungen |
| Wassertemperatur | 190 °C | Grundlage für die Dampferzeugung |
Google und Meta suchen Strom jenseits des Netzes
Google unterstützt Fervo und zählt zu den zentralen Abnehmern. Das Unternehmen fördert Geothermie bereits seit 2008. Wie viel Strom aus Cape Station konkret und exklusiv in Google-Rechenzentren fließen wird, ist bislang nicht offengelegt.
Parallel hat Google mit Ormat Technologies und dem Energieversorger NV Energy eine Vereinbarung über 150 MW Geothermie-Leistung in Nevada abgeschlossen. Auch Meta verfolgt diesen Ansatz. Der Konzern vereinbarte 2024 mit Sage Geosystems eine Geothermie-Partnerschaft über 150 MW.
Die Projekte sind eine Reaktion auf begrenzte Netzkapazitäten und den steigenden Strombedarf großer Cloud- und KI-Infrastrukturen. In den USA werden deshalb Milliarden in neue Leitungen, Kraftwerke und flexible Lasten investiert. Dazu passen die geplanten Netzausbauten für zusätzliche 23 GW sowie Konzepte, die mit flexibler Rechenlast bis zu 100 GW Netzkapazität erschließen sollen.
Grundlastfähiger Strom hat seinen Preis
Geothermie kann kontinuierlich Strom liefern und ist damit für Rechenzentren interessanter als wetterabhängige Erzeugung allein. Nach einer Schätzung des Thinktanks Rhodium könnte sie bis zum Ende des Jahrzehnts bis zu 64 % des Strombedarfs von Rechenzentren decken.
Rhodium rechnet allerdings mit einem Preisaufschlag von rund 20 % gegenüber konventioneller Stromerzeugung. Konkrete Kilowattstundenpreise aus den Verträgen von Fervo sind nicht bekannt. Ebenso ist nicht belegt, in welchem Umfang mögliche Mehrkosten später in Cloud- oder SaaS-Preise einfließen.
| Rhodium-Schätzung | Wert |
|---|---|
| Möglicher Geothermie-Anteil am Strombedarf von Rechenzentren bis 2030 | bis zu 64 % |
| Geschätzter Preisaufschlag gegenüber konventioneller Erzeugung | rund 20 % |
Was das für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet
Cape Station hat keinen unmittelbaren Bezug zum DACH-Raum. Das Projekt zeigt aber, welche kapitalintensiven Lösungen Hyperscaler inzwischen benötigen, um das Wachstum ihrer Infrastruktur abzusichern. Dieselben Cloud- und KI-Dienste werden auch von vielen europäischen Unternehmen eingesetzt.
Neue Kraftwerke, Netzanschlüsse und langfristige Stromverträge erhöhen die Kostenbasis der Anbieter. Ob daraus höhere Abo- oder Nutzungspreise entstehen, hängt von Verträgen, Auslastung und Wettbewerb ab. Das Kostenrisiko bleibt dennoch relevant, besonders bei stark wachsenden KI-Workloads.
Für IT-Verantwortliche spricht das für eine nüchterne Prüfung der Gesamtbetriebskosten. Eigene On-Premise- oder Colocation-Infrastruktur beseitigt den Energiebedarf nicht, ermöglicht aber mehr Kontrolle über Hardware, Auslastung und Modellwahl. Schlankere Open-Source-Modelle können zudem wirtschaftlicher sein, wenn keine maximale Modellgröße benötigt wird.
Auch europäische Hyperscaler-Investitionen zeigen, wie eng KI-Ausbau und Energieversorgung inzwischen verbunden sind. Google plant beispielsweise 13 Milliarden Euro für Rechenzentren in Finnland. Damit wird Energie neben Rechenleistung und Datenschutz zu einem weiteren Faktor bei der Entscheidung zwischen Cloud-Abonnement, Colocation und eigener Infrastruktur.

