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Microsoft schwächt die Marke Copilot+ PC ab

Microsoft verzichtet bei neuen Surface-Geräten auf die Bezeichnung Copilot+ PC, obwohl die Hardware alle bisherigen Anforderungen erfüllt. Damit verliert das Label an Bedeutung, während konkrete Leistungsdaten, Datenschutz und lokale KI-Funktionen für Unternehmen wichtiger werden.

Microsoft schwächt die Marke Copilot+ PC abBild: KI-generiert

Copilot+ PC verschwindet von neuen Surface-Geräten

Microsoft rückt von der Marke Copilot+ PC ab. Die neuen Modelle Surface Pro 12-inch (2nd Edition) und Surface Laptop 13-inch (2nd Edition) erfüllen zwar alle technischen Vorgaben der bisherigen Geräteklasse. Vermarktet werden sie dennoch nicht mehr unter diesem Namen.

Eine formelle Einstellung der Kategorie hat Microsoft nicht angekündigt. Die veränderte Produktkommunikation zeigt jedoch, dass das Label deutlich an Gewicht verliert. Selbst eine frühere Microsoft-Webseite für Copilot+ PCs leitet inzwischen auf eine allgemeinere Seite für leistungsstarke PCs weiter.

Die neuen Surface-Computer erfüllen weiterhin alle Anforderungen, die Microsoft zuvor für Copilot+ Geräte festgelegt hatte. Sie werden aber nicht als Copilot+ PCs bezeichnet.

Brett Ostrum, Corporate Vice President Surface bei Microsoft, sinngemäß aus dem Englischen übersetzt

80 TOPS statt der geforderten 40 TOPS

Copilot+ PCs mussten bislang mindestens 16 GB Arbeitsspeicher, 256 GB Speicherplatz und eine Neural Processing Unit mit 40 TOPS bieten. Eine NPU ist ein auf KI-Berechnungen spezialisierter Prozessor. TOPS bezeichnet dabei Billionen Rechenoperationen pro Sekunde und dient als grober Leistungswert für solche Beschleuniger.

Die neuen Surface-Modelle verwenden den Qualcomm Snapdragon X2 Plus. Dessen Hexagon NPU erreicht laut Hersteller 80 TOPS und damit das Doppelte der bisherigen Mindestanforderung.

MerkmalBisherige Copilot+ VorgabeNeue Surface-Modelle
ArbeitsspeicherMindestens 16 GBAnforderung erfüllt
SpeicherplatzMindestens 256 GBAnforderung erfüllt
NPU-LeistungMindestens 40 TOPS80 TOPS
ProzessorKompatible ARM- oder x86-PlattformQualcomm Snapdragon X2 Plus
MarkteinführungSeit 202413. Oktober 2026

Für IT-Abteilungen ist dabei nicht nur Windows relevant. Beim Linux-Support für Snapdragon X2 bestehen weiterhin Einschränkungen, die bei einer plattformübergreifenden Beschaffung berücksichtigt werden müssen.

Der Begriff AI PC trägt nicht mehr weit

Microsoft hatte Copilot+ PC 2024 eingeführt, um leistungsfähige Windows-Geräte für lokale KI-Anwendungen zu kennzeichnen. Gleichzeitig lieferte das Programm einen zusätzlichen Kaufgrund in einem schwachen PC-Markt. Ende 2024 sollen Copilot+ Geräte zeitweise 15 % der in den USA verkauften Premium-Laptops ausgemacht haben.

Inzwischen ist eine NPU bei neuen Prozessorplattformen weitgehend Standard. Zugleich bleiben die praktischen Vorteile lokaler KI für viele Anwender begrenzt. Zahlreiche generative Funktionen laufen weiterhin vollständig oder teilweise in der Cloud, unabhängig von der Rechenleistung des Endgeräts.

Auch andere Hersteller stellen den Begriff AI PC weniger stark in den Vordergrund. Dell hat seine erst 2025 eingeführte Notebook-Systematik bereits wieder verworfen und erwähnt lokale KI in seinem aktuellen Portfolio zurückhaltender. Hohe Speicherpreise erschweren zusätzlich die Vermarktung großzügig ausgestatteter KI-PCs.

Recall hat die Marke belastet

Ein weiterer Faktor ist Microsoft Recall. Die Funktion erstellt regelmäßig Momentaufnahmen von Bildschirminhalten und macht diese per KI durchsuchbar. Seit der Ankündigung steht sie wegen möglicher Zugriffe auf vertrauliche Informationen und unzureichender Schutzmechanismen in der Kritik.

Microsoft hat Recall mehrfach überarbeitet und zusätzliche Sicherheitsvorgaben eingeführt. Das grundlegende Problem bleibt jedoch bestehen: Lokale Verarbeitung allein garantiert keinen Datenschutz. Entscheidend sind Zugriffsrechte, Verschlüsselung, Aufbewahrungsfristen und die Frage, welche Anwendungen die gespeicherten Informationen auslesen dürfen.

Für Unternehmen zählen konkrete Funktionen

Für die Beschaffung ist der Wegfall des Labels kein wesentlicher Nachteil. Eine Marketingkategorie ersetzt weder Leistungstests noch eine Prüfung der tatsächlich eingesetzten KI-Funktionen. Wichtiger sind Arbeitsspeicher, Akkulaufzeit, Softwarekompatibilität, Wartbarkeit und die Möglichkeit, Cloud-Funktionen zentral abzuschalten.

Lokale Modelle können sensible Daten im eigenen Einflussbereich halten und laufende API-Kosten reduzieren. Sie benötigen jedoch ausreichend Speicher und liefern nicht automatisch dieselbe Qualität wie große Cloud-Modelle. Eine weitere Option sind offene Modelle, deren Kosten deutlich unter geschlossenen Angeboten liegen können.

Microsoft hält grundsätzlich an hybrider KI fest, bei der lokale und cloudbasierte Verarbeitung kombiniert werden. Parallel ist ein Surface Laptop Ultra mit Nvidia RTX Spark angekündigt. Künftig dürfte deshalb weniger ein einzelner NPU-Grenzwert zählen, sondern die Frage, welche Modelle und Anwendungen ein Gerät tatsächlich lokal ausführen kann.