Mojo 1.0 wird Open Source, Modular öffnet KI-Stack

Modular stellt Mojo 1.0 samt Compiler und Werkzeugen unter Apache 2.0 und öffnet seinen KI-Stack für weitere Beschleuniger. Für Unternehmen entstehen damit neue Optionen jenseits proprietärer Cloud-APIs und des Nvidia-CUDA-Ökosystems.

Mojo 1.0 wird Open Source, Modular öffnet KI-StackBild: KI-generiert

Mojo 1.0 steht vollständig unter Apache 2.0

Modular hat Mojo 1.0 am 18. August 2026 vollständig als Open Source veröffentlicht. Die Apache-2.0-Lizenz gilt nicht nur für die Programmiersprache, sondern auch für den Compiler und das gesamte zugehörige Tooling.

Unternehmen können Mojo damit anpassen, auf weitere Plattformen portieren und für eigene Anwendungen einsetzen. Die Lizenz erlaubt auch eine kommerzielle Nutzung, ohne dass dafür ein laufendes Software-Abo bei Modular erforderlich ist.

Mojo verbindet Ansätze aus der Systemprogrammierung mit Anforderungen moderner KI-Workloads. Die Version 1.0 soll dabei eine stabile Grundlage bieten, auf der bestehender Code langfristig weiterentwickelt werden kann.

Native Windows-Unterstützung ist geplant

Bislang läuft Mojo unter macOS, Linux und über das Windows Subsystem for Linux, kurz WSL. Gemeinsam mit dem Microsoft Windows-Team entwickelt Modular nun eine native Windows-Version. Einen konkreten Veröffentlichungstermin nennt das Unternehmen nicht.

„Millionen Entwickler arbeiten täglich unter Windows. Sie sollen Zugriff auf die benötigten Werkzeuge und Technologien auf der Plattform ihrer Wahl erhalten“, erklärte Logan Iyer von Microsoft sinngemäß aus dem Englischen.

Für den DACH-Mittelstand ist dieser Schritt relevant, weil Windows in vielen Entwicklungs- und IT-Abteilungen weiterhin die Standardplattform ist. Eine native Umsetzung senkt dort die Einstiegshürde gegenüber Lösungen, die zunächst eine Linux-Umgebung voraussetzen.

Modular Cloud startet mit OpenAI-kompatibler API

Parallel zur Öffnung von Mojo ist Modular Cloud allgemein verfügbar. Der Dienst stellt Open-Source-Modelle über OpenAI-kompatible Schnittstellen bereit. Gemeinsame Endpunkte werden nach verbrauchten Tokens abgerechnet, daneben gibt es dedizierte und isolierte Instanzen.

Konkrete Preise für Token-Nutzung und reservierte Instanzen wurden nicht veröffentlicht. Dedizierte Bereitstellungen können laut Modular auf der Infrastruktur des Anbieters oder auf eigener Rechenleistung betrieben werden.

Vor dem offiziellen Start lief die Cloud-Plattform mehrere Monate unter dem Namen ModelRun im Produktivbetrieb bei OpenRouter. MiniMax nutzt Modular Cloud für das Modell M3, das ein Kontextfenster von 1 Million Tokens besitzt. Der angegebene Produktionsdurchsatz liegt bei mehreren Milliarden Tokens pro Minute.

BereichStatusUnternehmensrelevanz
Mojo 1.0Compiler und Tooling unter Apache 2.0Kommerzielle Nutzung und eigene Anpassungen möglich
Modular CloudAllgemein verfügbarToken-Abrechnung oder dedizierte Instanzen, konkrete Preise offen
MiniMax M3Produktiver Einsatz1 Million Tokens Kontext und mehrere Milliarden Tokens Durchsatz pro Minute
WindowsNative Unterstützung in EntwicklungNoch kein Veröffentlichungstermin genannt

Mehr Hardware jenseits von Nvidia und AMD

Die Modular Platform unterstützt neben Nvidia- und AMD-GPUs nun auch AWS Trainium, Google TPUs sowie Qualcomm Cloud AI 100 Ultra und Dragonfly. Heterogenes Computing bedeutet in diesem Zusammenhang, dass dieselbe Software über unterschiedliche Prozessoren und KI-Beschleuniger hinweg eingesetzt werden kann.

Modelle sollen dadurch nicht für jede Hardwareplattform mit einem eigenen Software-Stack neu umgesetzt werden müssen. Nach Angaben von Modular sank der Entwicklungsaufwand für neue Hardware-Anbindungen um mehr als den Faktor 10. Diese Angabe stammt vom Anbieter und ist daher als dessen eigene Bewertung einzuordnen.

Die Ausweitung ist auch vor dem Hintergrund der Qualcomm-Übernahme bemerkenswert. Qualcomm kündigte den Kauf von Modular am 24. Juni 2026 an und schloss ihn am 29. Juli 2026 ab. Modular erklärt dennoch, weiterhin konkurrierende Hardwareplattformen unterstützen zu wollen.

MAX wird geöffnet, aber nicht vollständig Open Source

Bei der MAX-Engine entfernt Modular die bisherigen Beschränkungen für bestimmte Geräte. Der Quellcode soll im Rahmen eines Partnerprogramms zugänglich werden. Die konkreten Bedingungen dieses Source-available-Modells, also einer einsehbaren, aber nicht zwingend frei nutzbaren Lizenz, wurden bislang nicht offengelegt.

Damit unterscheidet sich MAX deutlich von Mojo. Während Mojo vollständig unter Apache 2.0 steht, bleibt bei MAX offen, welche Rechte Unternehmen für Anpassung, Weitergabe und kommerziellen Betrieb erhalten.

Weniger Abhängigkeit von CUDA und KI-Abos

Für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt der wichtigste Punkt nicht in einer weiteren Programmiersprache. Entscheidend ist die Aussicht, KI-Anwendungen über mehrere Cloud-Anbieter und Hardwarearchitekturen hinweg betreiben zu können.

Das kann die Bindung an Nvidia CUDA sowie an einzelne KI-Clouds reduzieren. Es erleichtert außerdem Multi-Cloud- und On-Premise-Szenarien, sofern die Anwendungen und Betriebsprozesse entsprechend aufgebaut werden. Auch der wachsende Markt für Open-Weight-Modelle als Alternative zu geschlossenen US-Angeboten erhöht den Bedarf an portablen Laufzeitumgebungen.

Vollständige Unabhängigkeit entsteht dadurch allerdings nicht automatisch. Wer Modular Cloud nutzt, bleibt bei Betrieb, Abrechnung und Verfügbarkeit weiterhin von einem externen Anbieter abhängig. Selbst eigene Systeme können zudem eine Bindung an kommerzielle Modell-APIs behalten, wie die Abhängigkeit eigener Coding-Agenten von Anthropic zeigt.

Mojo unter Apache 2.0 schafft dennoch eine belastbare Grundlage für Eigenentwicklung. Ob MAX den gleichen strategischen Wert erreicht, hängt von den noch nicht veröffentlichten Lizenzbedingungen und der tatsächlichen Qualität der Hardware-Unterstützung ab.