Salesforce Agentforce bringt Partnern kaum Umsatz

Zwei Jahre nach dem Start von Agentforce melden Salesforce-Partner noch keine nennenswerten Umsätze mit der KI-Plattform. Das steht im Kontrast zu den mehr als 1 Mrd. US-Dollar jährlich wiederkehrendem Umsatz, die Salesforce für Agentforce ausweist.

Salesforce Agentforce bringt Partnern kaum UmsatzBild: KI-generiert

Agentforce überzeugt Partner bislang nicht

Zwei Jahre nach dem Start von Agentforce bleibt der wirtschaftliche Effekt für viele Salesforce-Partner gering. Eine weltweite Befragung von TD Cowen unter Partnern in den USA, Europa und Asien zeigt zwar wachsendes Interesse. Nennenswerte Umsätze entstehen daraus bislang jedoch nicht.

Agentforce soll Unternehmen beim Aufbau, Test und Betrieb von KI-Agenten unterstützen. Diese Agenten übernehmen Aufgaben innerhalb von Geschäftsprozessen, etwa bei Kundenanfragen oder der Verarbeitung von Unternehmensdaten. Salesforce erweitert damit sein klassisches SaaS-Angebot um eine proprietäre Agentenplattform.

KennzahlErgebnis
Partner mit kaum unmittelbarem Kundeninteresse11 %
Partner, die Interesse erst mit reiferen Projekten erwarten56 %
Partner mit starkem Interesse und Testaktivitäten33 %
Partner, die Agentforce als Treiber für Geschäftsabschlüsse sehen0 %
Partner, die ihre Quartalsziele erreichen oder übertreffen33 %, nach 43 % im Vorquartal

Ein Drittel der Befragten registriert bereits starkes Interesse sowie erste Kauf- und Testaktivitäten. Trotzdem stufte kein einziger Partner Agentforce als Treiber für neue Geschäftsabschlüsse ein. Auch das Salesforce-Partnergeschäft insgesamt hat sich abgeschwächt.

Salesforce meldet mehr als 1 Mrd. US-Dollar ARR

Die Rückmeldungen der Partner stehen im deutlichen Kontrast zu den offiziellen Kennzahlen. Salesforce-Chef Marc Benioff spricht für Agentforce von mehr als 1 Mrd. US-Dollar Annual Recurring Revenue. ARR bezeichnet den auf ein Jahr hochgerechneten, wiederkehrenden Umsatz.

Salesforce sehe eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Agentforce und inzwischen mehr als 1 Mrd. US-Dollar jährlich wiederkehrenden Umsatz, erklärte Benioff sinngemäß.

Wie Salesforce diesen ARR konkret berechnet, ist nicht bekannt. Insbesondere bleibt offen, welchen Anteil eigenständige Agentforce-Verträge, Produktpakete oder Erweiterungen bestehender Verträge ausmachen. Aus der gemeldeten Zahl lässt sich deshalb nicht direkt ableiten, wie intensiv Kunden die Plattform produktiv einsetzen.

Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 30. April endete, meldete Salesforce außerdem einen Anstieg der vertraglichen Restleistungsverpflichtungen um 14 % auf 33,6 Mrd. US-Dollar. Diese als cRPO bezeichnete Kennzahl erfasst vertraglich zugesagte Umsätze, die voraussichtlich innerhalb der kommenden zwölf Monate verbucht werden. Salesforce führt das Wachstum auf Agentforce, Data 360 und Slack zurück.

Salesforce-KennzahlWert
Agentforce ARR laut SalesforceMehr als 1 Mrd. US-Dollar
cRPO zum Ende von Q1 FY202733,6 Mrd. US-Dollar
cRPO-Wachstum im Jahresvergleich14 %

Datenqualität bremst KI-Agenten

Eine CIO-Befragung von KeyBanc Capital Markets zeichnet ebenfalls ein verhaltenes Bild. Kunden und Partner kritisieren demnach sowohl die mangelnde Reife von Agentforce als auch die Qualität der vorhandenen Unternehmensdaten. Inkonsistente Stammdaten, getrennte Datensilos und unklare Zugriffsrechte erschweren den zuverlässigen Betrieb von KI-Agenten.

Die bisherigen Kundengespräche deuteten nicht auf zunehmendes Momentum hin. Agentforce sei als Produkt noch nicht weit genug, heißt es in der sinngemäßen Zusammenfassung des Feedbacks.

Das Problem betrifft nicht nur Salesforce. Agenten können Prozesse nur dann zuverlässig ausführen, wenn Daten, Berechtigungen und Schnittstellen sauber strukturiert sind. Auch zusätzliche Sicherheitsmechanismen wie kontrollierte Tool-Aufrufe müssen vor dem produktiven Einsatz geklärt werden.

Salesforce baut seine Agentenstrategie parallel weiter aus. Dazu gehört etwa der Slackbot als KI-Agent auf Claude-Basis. Für Unternehmen wächst damit jedoch auch die technische Bindung an das Salesforce-Ökosystem.

Relevanz für Unternehmen im DACH-Raum

Die TD-Cowen-Befragung umfasst Europa, weist aber keine separaten Ergebnisse für Deutschland, Österreich und die Schweiz aus. Wie viele Befragte konkret aus dem DACH-Raum stammen, bleibt daher offen. Die beschriebenen Hürden sind dennoch relevant, weil Datenqualität, Datenschutz und komplexe Altsysteme gerade bei etablierten Unternehmen zentrale Faktoren sind.

Agentforce ist Salesforces Antwort auf die sogenannte SaaSapokalypse. Gemeint ist die Gefahr, dass KI-Agenten klassische Softwareoberflächen und regelmäßige Funktions-Upgrades teilweise ersetzen. Statt das bestehende Abo-Modell aufzugeben, ergänzt Salesforce es um eine eigene Agentenschicht.

Für Unternehmen entsteht dadurch ein Investitionsrisiko. Zusätzliche KI-Module liefern wenig Nutzen, solange Datenbestände und Berechtigungen nicht vorbereitet sind. Zu Lizenzkosten kommen dann Implementierung, Datenbereinigung, Governance und laufende Qualitätskontrolle hinzu.

Vor einer langfristigen Bindung sollte deshalb geprüft werden, ob ein proprietäres Komplettpaket tatsächlich wirtschaftlicher ist als eine offene Architektur oder eine gezielte Eigenentwicklung. Standards wie Agent Plugins für portable KI-Agenten können Abhängigkeiten reduzieren. Vollständig vermeiden lassen sich Anbieterbindungen damit nicht, doch Modelle, Datenzugriffe und Werkzeuge bleiben leichter austauschbar.

Die Diskrepanz zwischen gemeldetem Milliarden-ARR und fehlender Buchungsdynamik bei Partnern zeigt vor allem eines: Vertragsvolumen ist kein ausreichender Beleg für produktiven Nutzen. Entscheidend sind belastbare Prozesse, verwertbare Daten und nachweisbare Einsparungen im laufenden Betrieb.