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OpenAI: Neuer Vertriebschef nach neun Monaten

OpenAI tauscht seine Vertriebschefin Denise Dresser nach knapp neun Monaten gegen Dali Rajic aus, zuvor President und COO beim Sicherheitsanbieter Wiz. Der Wechsel ist Teil eines größeren Umbaus der Führungsebene und zeigt, wie stark das Unternehmen inzwischen auf Geschäftskunden und planbare Umsätze setzt.

OpenAI: Neuer Vertriebschef nach neun MonatenBild: KI-generiert

Wechsel an der Umsatzspitze nach knapp neun Monaten

OpenAI hat am 13. August 2026 einen neuen Chief Revenue Officer vorgestellt. Dali Rajic übernimmt die weltweite Vertriebsorganisation und ersetzt damit Denise Dresser, die die Position erst rund neun Monate innehatte. Dresser verlässt das Unternehmen nach einer Übergangsphase, in der sie weiter mit dem Business-Team zusammenarbeitet.

Rajic kommt vom Cloud-Sicherheitsanbieter Wiz, wo er President und Chief Operating Officer war. Wiz wurde in diesem Jahr von Google für 32 Milliarden US-Dollar gekauft, die größte Übernahme in der Geschichte des Konzerns. Davor war Rajic in vergleichbaren Rollen bei Zscaler und AppDynamics tätig, also in klassischem Enterprise-Softwarevertrieb mit harten Kennzahlen.

Präsident und Mitgründer Greg Brockman lobte die scheidende Vertriebschefin und beschrieb die Aufgabe des Nachfolgers sinngemäß so: Die Art, wie diese Technologie ausgerollt werde, ändere sich rasch, und Rajic solle das Gelernte in wiederholbare Umsetzung übersetzen. In der gleichen Mitteilung sprach Brockman von einer Wirtschaft, die von Rechenleistung angetrieben wird und in der KI in jeden Arbeitsablauf eingebettet werde.

Der Umbau der Führungsebene läuft weiter

Der Personalwechsel steht nicht allein. Im vergangenen Monat verließen bereits COO Brad Lightcap und Fidji Simo, als CEO für AGI-Deployment die Nummer zwei der Führungsebene, das Unternehmen. Brockman hat nach Simos Abgang mehr Verantwortung im Management übernommen.

Parallel richtet CEO Sam Altman das Unternehmen stärker auf den Einsatz bei Geschäftskunden aus. Technologieprojekte und Experimente, die davon ablenken, wurden nach eigener Darstellung zurückgefahren. Welche Vorhaben konkret betroffen sind, hat OpenAI nicht mitgeteilt.

Zum Aufbau der Vertriebsmannschaft hat OpenAI zusätzlich eine strategische Partnerschaft mit Chad Peets und RPT Partners geschlossen. Ein Detail am Rand: Nach Berichten stand in einer früheren Fassung des Ankündigungstextes, das Unternehmen brauche einen "unerbittlichen Fokus" auf "messbaren geschäftlichen Erfolg". In der veröffentlichten Version fehlen diese Zeilen. Warum sie entfernt wurden, ist nicht bekannt.

Die Zahlen hinter dem Umbau

KennzahlWert
Wöchentlich aktive Nutzerüber 1 Milliarde
Unternehmenskundenüber 2 Millionen (Verdopplung binnen eines Jahres)
Amtszeit der bisherigen CROknapp 9 Monate
Mitarbeiter-Aktienrückkauf7 Milliarden US-Dollar
Kaufpreis Wiz durch Google32 Milliarden US-Dollar

OpenAI hat außerdem vertraulich Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht, als Vorbereitung auf einen möglichen Börsengang. Ein Termin dafür ist nicht bekannt. In derselben Woche kaufte das Unternehmen eigenen Mitarbeitern Anteile im Wert von 7 Milliarden US-Dollar ab, damit diese Teile ihrer Aktienvergütung zu Geld machen können.

OpenAI verfügt über außergewöhnliche Technologie, Produkte, die bereits mehr als eine Milliarde Menschen lieben, und eine enorme Marktnachfrage, so Dali Rajic sinngemäß in der Ankündigung. Er wolle die Vertriebsorganisation so führen, dass Kunden den vollen Wert von KI realisieren.

Trotz der Nutzerzahlen haben Führungskräfte intern und öffentlich angedeutet, dass nicht alle Umsatzziele erreicht wurden. Welche Ziele genau verfehlt wurden, ist offen.

Was das für Unternehmen bedeutet

Ein Vertriebschef mit Zscaler- und AppDynamics-Vergangenheit wird nicht geholt, um Forschung zu betreiben. Er wird geholt, um Umsätze planbar zu machen. Genau das beschreibt Brockman mit "wiederholbarer Umsetzung": standardisierte Angebote, definierte Vertragsstufen, messbare Abschlussquoten. Für Kunden im DACH-Raum heißt das voraussichtlich mehr Vertriebsdruck, straffere Enterprise-Verträge und weniger Verhandlungsspielraum bei Einzellösungen.

Damit vollzieht OpenAI den Weg, den viele Softwareanbieter vor ihm gegangen sind: von der Innovationsschmiede zum durchgetakteten B2B-Konzern mit Abo-Logik. Wer KI tief in Arbeitsabläufe einbettet, verlagert Kosten in laufende Lizenzen und wird schwer wieder herauskommen. Dieses Muster ist aus Projekten mit eigenen Coding-Agenten und dennoch fester Anbieterbindung bekannt und gilt für die gesamte Modell-Ebene.

Gleichzeitig sucht das Unternehmen weitere Einnahmequellen, etwa mit Werbung in ChatGPT, während die API-Preise für einzelne Modelle sinken. Für Unternehmen lohnt es sich, bei jedem Vertrag zu prüfen, wie leicht sich Modelle austauschen lassen. Eine Architektur mit Modell-Routing oder offenen Gewichten im eigenen Betrieb kostet initial Aufwand, hält aber den Verhandlungshebel in der eigenen Hand.