PC-Markt bricht wegen KI-Speicherknappheit ein

Die weltweiten PC-Auslieferungen sind im dritten Quartal 2026 um mehr als 20 % eingebrochen. Der Speicherbedarf der KI-Industrie verteuert DRAM und SSDs, während vorgezogene Käufe für volle Lager und schwache Nachfrage sorgen.

PC-Markt bricht wegen KI-Speicherknappheit einBild: KI-generiert

PC-Auslieferungen fallen um mehr als 20 %

Der weltweite PC-Markt ist im dritten Quartal 2026 deutlich geschrumpft. Omdia beziffert den Rückgang gegenüber dem Vorjahresquartal auf 21,2 %, IDC kommt auf 20,1 %. Erfasst werden Desktop-PCs, Notebooks und Workstations.

Bei den absoluten Stückzahlen liegen die Marktforscher auseinander. Die Richtung ist jedoch eindeutig. Selbst gegenüber dem zweiten Quartal 2026 gingen die Auslieferungen laut IDC um 9,1 % zurück, obwohl das dritte Quartal wegen des Schul- und Studienbeginns normalerweise stärker ausfällt.

MarktforscherAuslieferungen Q3 2026Veränderung zum Vorjahr
Omdia58,1 Mio. Geräteminus 21,2 %
IDC62,7 Mio. Geräteminus 20,1 %

KI-Infrastruktur verteuert Speicher und Komponenten

Ein wesentlicher Treiber ist die hohe Nachfrage der KI-Industrie nach Speicher und Rechenleistung. DRAM-Arbeitsspeicher und SSD-Massenspeicher sind knapp geworden, weil Rechenzentren große Kapazitäten aufnehmen. Hinzu kommen Engpässe bei Prozessoren, Grafikkarten und weiteren integrierten Schaltkreisen.

Nach Berechnungen von Omdia haben sich die Preise für DRAM und SSDs mehr als vervierfacht. Ihr Anteil an den gesamten Komponentenpreisen eines PCs stieg dadurch von etwa 15 % auf fast 40 %. Hintergrund zur längerfristigen Versorgungslage bietet auch die Analyse zur erwarteten Speicherknappheit bis 2028.

Damit wirkt der Ausbau von KI-Infrastruktur direkt auf klassische Unternehmenshardware zurück. Der Effekt betrifft nicht nur spezialisierte KI-Workstations, sondern auch gewöhnliche Arbeitsplatzrechner, bei denen Arbeitsspeicher und Massenspeicher einen immer größeren Teil der Stückkosten ausmachen.

Vorgezogene Bestellungen verzerren den Markt

Im ersten Halbjahr 2026 hatten Hersteller, Distributoren und Firmenkunden Bestellungen vorgezogen. Sie wollten erwarteten Preiserhöhungen zuvorkommen. Das stützte zunächst die Verkaufszahlen, führte anschließend aber zu hohen Lagerbeständen und einer geringeren Nachfrage.

Die Entwicklung sei das Ergebnis der vorgezogenen Käufe im ersten Halbjahr. Hersteller und Handel hätten sich früh eingedeckt, um Preissteigerungen zu umgehen, wodurch das übliche Saisonmuster ausgehebelt worden sei, erklärte IDC-Analyst Jitesh Ubrani sinngemäß.

Händler könnten nun mit Rabattaktionen versuchen, überschüssige Bestände abzubauen. IDC erwartet daraus lediglich eine kurzfristige Entlastung. Eine Rückkehr zum Preisniveau des Vorjahres gilt demnach als unwahrscheinlich.

Lenovo bleibt vorne, HP verliert fast ein Drittel

Alle großen Hersteller lieferten weniger Geräte aus. Lenovo blieb mit 14,9 Millionen Einheiten Marktführer, verlor gegenüber dem Vorjahr aber 22,6 %. Besonders stark traf es HP mit einem Rückgang von knapp 31 %.

HerstellerAuslieferungen laut IDCVeränderung zum Vorjahr
Lenovo14,9 Mio.minus 22,6 %
HP10,3 Mio.minus 31 %
Dell7,6 Mio.minus 25 %
Apple5,9 Mio.minus 11 %

Apple verzeichnete mit 11 % den geringsten Rückgang und gewann dadurch Marktanteile. Omdia schätzt Apples Auslieferungen mit 6,8 Millionen Geräten höher ein als IDC.

Hardware-Budgets im DACH-Raum geraten unter Druck

Für den europäischen oder den DACH-Markt liegen keine gesonderten Zahlen vor. Die globale Preisentwicklung dürfte dennoch in Beschaffungsentscheidungen einfließen, da Arbeitsspeicher, SSDs und Prozessoren international gehandelte Komponenten sind. Konkrete Preisaufschläge für Unternehmensgeräte in Euro wurden bislang nicht beziffert.

IT-Verantwortliche müssen vor allem Erneuerungszyklen für Arbeitsplatzrechner und Workstations neu kalkulieren. Sinnvoll sind gestaffelte Beschaffungsszenarien, eine Prüfung vorhandener Lagerbestände und eine klare Trennung zwischen Geräten mit gewöhnlichem Büroprofil und besonders speicherintensiven Systemen.

Auch Self-Hosting und lokale KI-Entwicklung werden kapitalintensiver, wenn leistungsfähige Rechner mit viel RAM und SSD-Speicher benötigt werden. Kompakte KI-Systeme wie der Nvidia DGX Spark verdeutlichen, dass die Speicherausstattung inzwischen ein zentraler Kostenfaktor lokaler Infrastruktur ist. Die Rechnung zwischen eigener Hardware und laufenden Cloud-Gebühren muss deshalb für jeden Anwendungsfall neu aufgestellt werden.

Weitere Rückgänge bis 2027 erwartet

Eine schnelle Erholung zeichnet sich nicht ab. Omdia prognostiziert für das vierte Quartal 2026 einen weiteren Rückgang der weltweiten PC-Auslieferungen um 24 % gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2027 wird ein zusätzliches Minus von 7 % erwartet.

Damit zeigt sich eine konkrete Nebenwirkung des KI-Booms. Die Nachfrage nach Rechenzentrumsinfrastruktur erhöht nicht nur die Kosten großer KI-Projekte, sondern verteuert zugleich die Basishardware anderer Unternehmen. Wer 2027 umfangreiche Hardware-Erneuerungen plant, sollte Speicherpreise deshalb als eigenes Budgetrisiko behandeln.