Broadcom kappt öffentlichen Zugang zum VMware VDDK
Broadcom hat die bislang frei erreichbaren Download-Seiten für das VMware Virtual Disk Development Kit entfernt. Die bekannten Adressen liefern nur noch 404-Fehler. Eine offizielle Ankündigung, eine Vorwarnung zur Einstellung oder ein Nachfolgewerkzeug gibt es bislang nicht.
Das VDDK ist eine proprietäre Entwicklerbibliothek für den Zugriff auf virtuelle VMware-Festplatten. Zahlreiche Drittanbieter verwenden sie für Backups und Migrationen. Besonders relevant ist sie für agentenlose Verfahren, bei denen keine zusätzliche Software in jeder virtuellen Maschine installiert werden muss.
Laut einem veröffentlichten Kundenbericht erklärte der Broadcom-Support sinngemäß, das VDDK sei nicht mehr zur Nutzung oder zum Download verfügbar.
Kundenberichte im Broadcom-Support und in öffentlichen Foren deuten darauf hin, dass der Zugriff künftig auf zertifizierte Partner im VMware Technology Alliance Program beschränkt sein könnte. Eine abschließende Bestätigung oder Begründung durch Broadcom fehlt jedoch. Ebenfalls offen ist, ob reguläre VMware-Kunden mit laufendem Vertrag das Paket über ein Support-Ticket erhalten können.
Mehrere Migrationswerkzeuge sind betroffen
Die Änderung trifft nicht nur Entwickler, sondern konkrete Ausstiegsprojekte. Microsoft Azure Migrate, Red Hat Migration Toolkit for Virtualization, Nutanix Move sowie Lösungen von ShapeBlue und Platform9 greifen für bestimmte Migrationswege auf das VDDK zurück.
| Plattform oder Werkzeug | Auswirkung |
|---|---|
| Microsoft Azure Migrate | Agentenlose Migration kann am fehlenden VDDK-Zugriff scheitern. Microsoft verweist als Alternative auf agentenbasierte Verfahren. |
| Red Hat OpenShift Virtualization | Das Migration Toolkit for Virtualization kann VDDK-Pakete nicht mehr über die bisherigen Adressen beziehen. |
| Nutanix Move | Migrationen von ESXi zu Nutanix AHV können von der nicht verfügbaren Bibliothek betroffen sein. |
| ShapeBlue und Platform9 | VMware-zu-KVM-Arbeitsabläufe verlieren den öffentlichen Zugriff auf eine zentrale Abhängigkeit. |
| Proxmox VE | Der integrierte Import-Assistent benötigt das VDDK nicht und kann VMware-VMDKs ohne die Bibliothek importieren. |
Microsoft hat seine offizielle Dokumentation bereits angepasst. Falls kein Zugriff auf das VDDK besteht, sollen Kunden auf eine agentenbasierte Migration ausweichen. Das ist grundsätzlich möglich, erhöht aber den operativen Aufwand, weil jede betroffene virtuelle Maschine vorbereitet und verwaltet werden muss.
Red Hat kann das Paket wegen der proprietären Lizenz nicht selbst bereitstellen. Das Unternehmen verweist auf Anfragen beim Broadcom-Support und untersucht längerfristige Alternativen. Dazu gehört Storage Copy Offload, also die Verlagerung von Kopiervorgängen auf das Speichersystem, sofern der jeweilige Anbieter diese Funktion unterstützt.
Chronologie der Einschränkung
| Datum | Beobachtung |
|---|---|
| 25. August 2026 | ShapeBlue dokumentiert nicht erreichbare Download-Adressen für VDDK 8 und VDDK 9. |
| 27. August 2026 | Red Hat veröffentlicht einen Support-Artikel zu nicht mehr verfügbaren VDDK-Paketen. |
| 1. September 2026 | Platform9 thematisiert die Einschränkung des öffentlichen Zugangs. |
Der VMware-Ausstieg wird planungsintensiver
Für IT-Abteilungen im DACH-Raum kommt die Änderung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Viele Unternehmen prüfen nach Lizenzänderungen und höheren Kosten Alternativen zu VMware. Dass der Hersteller nun den Zugang zu einer wichtigen Migrationsbibliothek kontrolliert, vergrößert die technische Abhängigkeit zusätzlich.
Die Lage passt zu den bereits diskutierten Risiken eines VMware-Lock-ins unter Broadcom. Selbst wenn virtuelle Festplatten grundsätzlich im Unternehmen vorhanden sind, hängt ein effizienter Export teilweise von einer proprietären Schnittstelle ab. Das kann Projektlaufzeiten verlängern und zusätzliche Dienstleistungs- sowie Betriebskosten verursachen.
Dass ein Plattformwechsel wirtschaftlich sinnvoll sein kann, zeigt die VMware-Ablösung mit deutlich geringeren Lizenzkosten bei Tottenham. Der Weg dorthin wird allerdings schwieriger, wenn zentrale Werkzeuge kurzfristig nicht mehr öffentlich verfügbar sind.
Proxmox und offene Schnittstellen gewinnen an Gewicht
Proxmox VE ist von der VDDK-Sperre nicht betroffen. Der eigene Import-Assistent kann VMware-VMDKs ohne Broadcoms Bibliothek einlesen. Für Unternehmen, die eine KVM-basierte und selbst betriebene Virtualisierung prüfen, ist das ein praktischer Vorteil.
Die Entscheidung für eine Zielplattform sollte dennoch nicht allein an einem Importwerkzeug hängen. Relevant sind auch Support, Hochverfügbarkeit, Backup-Kompatibilität, Schulungsaufwand und der Betrieb über mehrere Jahre. Die aktuelle VDDK-Situation zeigt aber deutlich, dass Exit-Schnittstellen bereits vor Vertragsabschluss und nicht erst während einer Migration bewertet werden sollten.
Offene Formate und unabhängig implementierbare Schnittstellen reduzieren das Risiko, dass ein Anbieter den Plattformwechsel nachträglich erschwert. Bei proprietärer Infrastruktur genügt dagegen eine Änderung am Download- oder Partnerprogramm, um etablierte Migrationswege zu unterbrechen. Genau diese Abhängigkeit sollte in künftigen Virtualisierungsentscheidungen als eigener Kosten- und Risikofaktor berücksichtigt werden.

