KI-KostenVendor-Lock-in

Zwangs-Upgrades kosten 28 % des Softwarebudgets

Unternehmen geben laut einer Studie durchschnittlich 28 % ihres Softwarebudgets für anbietergetriebene Upgrades, Migrationen und Lizenzänderungen aus. Die Folgekosten reichen von vorzeitig ersetzter Hardware bis zu verzögerten KI- und Datenprojekten.

Zwangs-Upgrades kosten 28 % des SoftwarebudgetsBild: KI-generiert

Anbieter bestimmen einen erheblichen Teil des IT-Budgets

Erzwungene Upgrades, Migrationen und geänderte Lizenzmodelle beanspruchen im Durchschnitt 28 % des Softwarebudgets von Unternehmen. Das zeigt eine Befragung von 2.018 leitenden IT-Entscheidern in den USA und Großbritannien.

Die Untersuchung wurde von Censuswide im Auftrag des Software-Support-Anbieters Origina und Thinkers50 durchgeführt. 95 % der Befragten hatten in den vergangenen drei Jahren mindestens eine anbietergetriebene Änderung bezahlt, obwohl sie dadurch eine schlechtere Zuverlässigkeit, Leistung oder Wirtschaftlichkeit erwarteten.

KennzahlErgebnis der Befragung
Anteil am Softwarebudget28 % für unerwünschte Upgrades, Migrationen und Lizenzänderungen
Kosten der letzten anbietergetriebenen ÄnderungDurchschnittlich 12,87 Millionen US-Dollar
Unternehmen mit mindestens einer solchen Änderung95 %
Vorzeitig ausgemusterte Hardware91 % der Unternehmen
Verlorene Hardware-NutzungsdauerDurchschnittlich 1,65 Jahre
Wenig Verhandlungsspielraum76 % der IT-Entscheider

Support-Fristen treiben auch die Hardwarekosten

Die Belastung endet nicht bei Softwarelizenzen. 91 % der Befragten gaben an, funktionierende Hardware vorzeitig ausgemustert zu haben, um Support-Fristen eines Softwareanbieters einzuhalten. Im Durchschnitt gingen dadurch 1,65 Jahre verbleibender Nutzungsdauer verloren.

Damit wird Vendor-Lock-in zu einem Infrastrukturproblem. Wenn neue Softwareversionen andere Plattformen oder leistungsfähigere Systeme voraussetzen, entstehen zusätzliche Investitionen, obwohl die bestehende Umgebung technisch noch nutzbar wäre. Ähnliche Abhängigkeiten zeigen sich bei den Ausstiegsplänen vieler VMware-Kunden wegen hoher Lizenzkosten.

Erfahrene IT-Kräfte fehlen bei Kernprojekten

84 % der Unternehmen müssen erfahrene Entwickler und Ingenieure regelmäßig von ihren eigentlichen Projekten abziehen, um anbietergetriebene Änderungen umzusetzen. Neben Migrationsplanung und Tests fallen dabei häufig Anpassungen an Schnittstellen, Betriebsprozessen und internen Anwendungen an.

Das wirkt sich direkt auf KI- und Datenprojekte aus. 90 % der Befragten berichteten, dass die Kosten solcher Änderungen mindestens moderat dazu beigetragen hätten, ein entsprechendes Projekt zu verzögern, zu pausieren oder abzubrechen. Wie stark einzelne Branchen oder Unternehmensgrößen betroffen sind, lässt sich aus der Studie nicht ableiten.

„Wenn die Alternative zu einem unerwünschten Upgrade der Verlust des Supports für geschäftskritische Systeme ist, ist eine Zustimmung oft rational. Genau darin liegt das Problem. Die Kosten zeigen sich in Budgets, gebundener Entwicklungszeit und Innovationen, die nicht finanziert werden.“

Sinngemäße Übersetzung einer Aussage von Origina-Gründer Tomás O'Leary

Dass Lizenz- und Verbrauchskosten Entwicklungsbudgets verdrängen können, zeigt auch das Beispiel von LegalOn, das seine Codex-Kosten durch Modell-Routing um 65 % senkte. Bei klassischer Unternehmenssoftware ist eine solche technische Optimierung allerdings oft schwieriger, weil Support, Lizenzierung und Produktlebenszyklen vom Anbieter kontrolliert werden.

Begrenzte Aussagekraft für den DACH-Raum

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz enthält die Untersuchung keine eigenen Daten. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht direkt auf den DACH-Markt übertragen. Support-Enden, Cloud-Migrationen und Änderungen proprietärer Lizenzmodelle betreffen jedoch auch Unternehmen im deutschsprachigen Raum.

76 % der befragten IT-Verantwortlichen sehen gegenüber ihren wichtigsten Softwareanbietern nur wenig Verhandlungsmacht. 91 % befürworten gesetzliche Schutzrechte für Kunden von Unternehmenssoftware. Weitere 82 % sprechen sich für Wartungsregeln aus, die sich an europäischen Vorgaben zur Reparierbarkeit von Hardware orientieren.

Die politische Forderung berührt auch die Frage, ob Unternehmen ältere, rechtmäßig erworbene Versionen weiter betreiben oder übertragen dürfen. Der Streit um gebrauchte Microsoft-Softwarelizenzen zeigt, wie relevant Nutzungsrechte und Vertragsbedingungen für die wirtschaftliche Unabhängigkeit bleiben.

Alternativen brauchen eine Lebenszyklusstrategie

Open Source, eigene Anwendungen und unabhängige Drittwartung können die Abhängigkeit von vorgegebenen Release-Zyklen reduzieren. Sie beseitigen den Betriebsaufwand nicht, verschieben aber die Kontrolle über Update-Zeitpunkt, Support-Modell und Infrastruktur stärker zum Unternehmen.

Vor einer Migration sollte deshalb nicht nur der Abopreis verglichen werden. Entscheidend sind die gesamten Lebenszykluskosten, darunter notwendige Hardwarewechsel, interne Arbeitszeit, Schnittstellenanpassungen, Datenexport und die Möglichkeit, eine Version länger sicher zu betreiben.

Die Studie ist zugleich mit Vorsicht zu bewerten. Origina verkauft unabhängigen Support für Unternehmenssoftware und hat damit ein direktes wirtschaftliches Interesse an der Kritik an Herstellerwartung und Pflicht-Upgrades. Ein möglicher Einfluss auf Fragestellung und Interpretation muss berücksichtigt werden, auch wenn die Ergebnisse ein verbreitetes Problem klar quantifizieren.