Anthropic schließt größten Akamai-Vertrag ab
Anthropic hat mit Akamai einen Cloud-Vertrag über 11,6 Milliarden US-Dollar vereinbart. Die Laufzeit beträgt sieben Jahre. Für Akamai ist es der größte Auftrag der eigenen Unternehmensgeschichte.
Die Vereinbarung ist allerdings keine bedingungslose Abnahmegarantie. Sie hängt von Lieferfähigkeit und Verfügbarkeit der Infrastruktur ab. Unter bestimmten, nicht näher veröffentlichten Bedingungen können beide Unternehmen den Vertrag vorzeitig beenden.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Vertragswert | 11,6 Milliarden US-Dollar |
| Laufzeit | 7 Jahre |
| Mögliches Gesamtvolumen | Bis rund 20 Milliarden US-Dollar |
| Geplanter Kapazitätsausbau | Rund 5,5 Milliarden US-Dollar |
| Zusätzliche Investitionen im laufenden Jahr | Rund 1,7 Milliarden US-Dollar |
| Erwarteter Akamai-Umsatz 2027 | 150 bis 300 Millionen US-Dollar |
| Erwartete jährliche Umsatzrate Ende 2028 | Rund 1,7 Milliarden US-Dollar |
KI-Agenten treiben den Bedarf an CPUs
Im Mittelpunkt des Vertrags stehen nicht die häufig diskutierten KI-Beschleuniger, sondern klassische CPUs. Diese universell einsetzbaren Prozessoren übernehmen Aufgaben wie Code-Ausführung, Webzugriffe und die Steuerung externer Werkzeuge.
Genau diese Arbeit nimmt mit dem Einsatz von KI-Agenten zu. Ein Sprachmodell erzeugt nicht mehr nur Text, sondern startet Programme, durchsucht Webseiten und verarbeitet Ergebnisse in mehreren Schritten. Dafür werden isolierte Ausführungsumgebungen benötigt, wie sie auch bei Docker Cloud Sandboxes für KI-Agenten eine zentrale Rolle spielen.
Wofür Anthropic die gebuchte CPU-Kapazität konkret einsetzen will, bleibt offen. Akamai hat weder bestimmte Produkte noch Regionen oder Rechenzentren genannt. Auch ein gezielter Ausbau in Europa oder im DACH-Raum ist bislang nicht bestätigt.
Akamai investiert Milliarden vor dem ersten Umsatz
Akamai erwartet aus der Vereinbarung im laufenden Jahr noch keinen Umsatz. Erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 sollen Erlöse von insgesamt 150 bis 300 Millionen US-Dollar anfallen. Bis Ende 2028 soll der Auftrag eine jährliche Umsatzrate von rund 1,7 Milliarden US-Dollar erreichen.
Dafür plant Akamai einen Kapazitätsausbau von etwa 5,5 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich sollen im laufenden Jahr rund 1,7 Milliarden US-Dollar in vorab beschaffte Komponenten wie Speicher fließen. Der Vertrag verschiebt somit erhebliche Investitionsrisiken zum Infrastrukturbetreiber, bevor die erwarteten Umsätze vollständig anlaufen.
Die Dimension passt zum allgemeinen Kostenbild der Branche. Auch wenn die KI-Ausgaben besonders aktiver Nutzer zuletzt gesunken sind, investieren die Anbieter weiterhin Milliarden in Rechenleistung und Infrastruktur.
Aktienoptionen verknüpfen Umsatz und Beteiligung
Teil des Vertrags ist ein Warrant, also das Recht, Aktien zu einem festgelegten Preis zu erwerben. Anthropic erhält Optionen auf stimmrechtslose Vorzugsaktien, die in bis zu 7,7 Millionen Akamai-Stammaktien umgewandelt werden können. Das entspricht bis zu rund 5 % der ausstehenden Aktien.
Der Ausübungspreis liegt bei 111,33 US-Dollar je Aktie. Mit der ersten Zahlung sollen Optionen im Umfang von rund 2 % verfügbar werden. Für jeweils weitere 3 Milliarden US-Dollar Cloud-Ausgaben kann Anthropic ungefähr 1 % zusätzlich freischalten.
Damit erhält der Kunde einen wachsenden Anteil am Lieferanten, wenn das Einkaufsvolumen steigt. Das Grundvolumen könnte um bis zu 9 Milliarden US-Dollar erweitert werden und damit insgesamt rund 20 Milliarden US-Dollar erreichen. Nach Bekanntwerden der Vereinbarung stieg die Akamai-Aktie im nachbörslichen Handel zeitweise um bis zu 17 %.
Anthropic beteiligt sich an solchen Vereinbarungen nicht im gleichen Umfang wie einige andere Akteure.
Anthropic unterhält bereits Liefer- und Investitionsbeziehungen mit Amazon, Google, Microsoft und AMD. Der Akamai-Vertrag ergänzt dieses Geflecht um eine ungewöhnliche Konstruktion, bei der der Infrastrukturkunde über seine Ausgaben eine Beteiligung am Anbieter aufbauen kann.
Was der Deal für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet
Der Vertrag macht sichtbar, welche Fixkosten hinter proprietären KI-Diensten und Agentenplattformen stehen. Neben teuren Beschleunigern werden große Mengen klassischer Rechenleistung benötigt. API-Preise und Software-Abos bilden diese Infrastrukturkosten nur indirekt ab.
Akamai betreibt ein globales Edge- und Cloud-Netzwerk. Ein Kapazitätsausbau könnte Inferenz und Agenten-Infrastruktur langfristig näher an europäische Standorte bringen. Wo die neuen Kapazitäten tatsächlich entstehen, ist jedoch nicht bekannt.
Für Unternehmen bleibt damit die Abhängigkeit von US-Anbietern bestehen. Hinzu kommt das Risiko, dass Preise, Leistungsgrenzen oder Verfügbarkeit durch Investitionsentscheidungen außerhalb der eigenen Kontrolle beeinflusst werden. Gerade bei geschäftskritischen Agenten sollten Anbieterwechsel, Datenportabilität und alternative Ausführungswege deshalb von Beginn an eingeplant werden.
Open-Source-Modelle und Self-Hosting beseitigen die Infrastrukturkosten nicht, können aber die Bindung an einen einzelnen Anbieter reduzieren. Bei klar abgegrenzten Aufgaben sind Open-Weights-Modelle trotz Leistungsrückstand deutlich günstiger. Dem stehen eigener Betriebsaufwand, Sicherheitsanforderungen und die Beschaffung geeigneter Rechenkapazität gegenüber.

