Claude Code übernimmt AGENTS.md als Ausweichformat
Anthropic unterstützt in Claude Code ab Version 2.1.277 das von OpenAI initiierte Format AGENTS.md. Befindet sich in einem Ordner keine CLAUDE.md, sucht Claude Code automatisch nach einer AGENTS.md und verwendet deren Anweisungen.
Das Verhalten lässt sich über den Befehl /config anpassen. Eine vorhandene CLAUDE.md behält damit zunächst Vorrang. AGENTS.md dient als kompatibles Ausweichformat und ersetzt das proprietäre Anthropic-Format nicht grundsätzlich.
„Wir führen Unterstützung für AGENTS.md in Claude Code ein. Ab Version 2.1.277 prüft Claude auf AGENTS.md, wenn in einem Ordner keine CLAUDE.md vorhanden ist“, erklärte Claude-Code-Entwickler Thariq Shihipar sinngemäß.
| Punkt | Stand |
|---|---|
| Erste Claude-Code-Version mit Unterstützung | 2.1.277 |
| Voraussetzung für die automatische Nutzung | Keine CLAUDE.md im jeweiligen Ordner |
| Konfiguration | Über /config anpassbar |
| Verbreitung von AGENTS.md | Mehr als 60.000 Open-Source-Projekte bis Dezember 2025 |
Weniger doppelte Projektanweisungen
Dateien wie CLAUDE.md und AGENTS.md enthalten Regeln für Coding-Agenten. Dazu gehören Projektkonventionen, bevorzugte Werkzeuge, Vorgaben zur Code-Struktur und gewünschte Verhaltensweisen. Der Agent liest diese Informationen bei Anfragen als Teil seines Kontexts ein.
Teams, die Claude Code parallel zu OpenAI-Werkzeugen einsetzen, mussten diese Vorgaben bislang häufig in zwei Dateien pflegen. Alternativ kamen Behelfslösungen wie symbolische Verknüpfungen zum Einsatz. Änderungen an Coding-Standards mussten dadurch mehrfach synchronisiert und kontrolliert werden.
Die neue Unterstützung ist besonders für Projekte relevant, in denen mehrere Agenten parallel eingesetzt werden. Anthropic erweitert Claude Code zugleich an anderer Stelle, etwa mit Claude Code Projects für parallel verteilte Aufgaben. Je stärker solche Werkzeuge in Entwicklungsprozesse eingreifen, desto wichtiger werden portable und zentral gepflegte Projektregeln.
Linux Foundation schafft neutralere Grundlage
OpenAI hatte AGENTS.md im vergangenen Jahr an die Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation übergeben. Damit soll das Format nicht allein von einem einzelnen Anbieter kontrolliert werden, sondern als werkzeugunabhängiger Standard dienen.
Die Verbreitung ist bereits erheblich. Bis Dezember 2025 hatten mehr als 60.000 Open-Source-Projekte eine AGENTS.md implementiert. Die Unterstützung durch Claude Code erhöht nun die Chance, dass dieselbe Datei für Werkzeuge verschiedener Anbieter genutzt werden kann.
Offene Formate lösen allerdings nicht automatisch alle Probleme beim Einsatz von KI-Agenten. Fragen zu Berechtigungen und Zugriffskontrolle bleiben unabhängig von der verwendeten Anweisungsdatei bestehen, wie auch die Debatte um ein neues Rechtemodell für MCP zeigt.
Geringerer Vendor-Lock-in für Entwicklungsteams
Für Unternehmen im DACH-Raum sinkt vor allem der laufende Pflegeaufwand. Interne Coding-Regeln lassen sich zentraler verwalten, statt sie für jeden Anbieter in ein eigenes Format zu übertragen. Das erleichtert den parallelen Betrieb und einen späteren Wechsel zwischen Coding-Agenten.
Damit reduziert sich ein Teil des Vendor-Lock-ins. Die Wahl eines KI-Dienstes bleibt zwar weiterhin mit dessen Modellen, Preisen, Datenschutzbedingungen und Schnittstellen verbunden. Zumindest die im Repository hinterlegten Projektanweisungen werden aber portabler.
Für eigenentwickelte Lösungen und gemischte Tool-Landschaften ist das relevant. Standardisierte Markdown-Dateien können als gemeinsame Grundlage für kommerzielle Dienste, lokale Modelle und interne Agenten dienen, sofern die jeweiligen Werkzeuge das Format korrekt unterstützen.
Unterschiede zwischen den Formaten bleiben offen
Noch nicht geklärt ist, wie Claude-spezifische Eigenheiten innerhalb einer AGENTS.md behandelt werden. Ebenso ist bislang nicht bestätigt, ob Anthropic beide Spezifikationen langfristig zusammenführen will oder CLAUDE.md als proprietäre Erweiterung bestehen bleibt.
Unternehmen sollten daher zunächst prüfen, welche Anweisungen tatsächlich werkzeugunabhängig sind. Gemeinsame Projektregeln können in AGENTS.md konsolidiert werden. Anbieterbezogene Vorgaben benötigen möglicherweise weiterhin getrennte Dateien und Tests mit den jeweils eingesetzten Agenten.

