DRAM wird weiter teurer, nur langsamer
Der Preisanstieg bei Arbeitsspeicher schwächt sich voraussichtlich ab. TrendForce erwartet für konventionellen DRAM im dritten Quartal ein Plus von 13 bis 18 % gegenüber dem Vorquartal. DRAM bezeichnet den flüchtigen Arbeitsspeicher in PCs, Servern und vielen anderen Geräten.
Von Entspannung kann dennoch keine Rede sein. Die Lagerbestände der Hersteller liegen weiterhin auf historisch niedrigem Niveau. Gleichzeitig soll die ausgelieferte Speichermenge nur moderat wachsen.
| Kennzahl | Zeitraum | Entwicklung |
|---|---|---|
| DRAM-Branchenumsatz | 2. Quartal | 154,73 Milliarden US-Dollar, plus 59,5 % zum Vorquartal |
| Vertragspreise für konventionellen DRAM | 3. Quartal, Prognose | plus 13 bis 18 % zum Vorquartal |
| Laptop-Auslieferungen in Europa | 3. Quartal, Prognose | minus 6,4 % zum Vorjahr |
| Laptop-Auslieferungen in Europa | 4. Quartal, Prognose | minus 20 % zum Vorjahr |
| Desktop-Auslieferungen in Europa | 3. Quartal, Prognose | rund minus 20 % zum Vorjahr |
| Desktop-Auslieferungen in Europa | 4. Quartal, Prognose | knapp minus 30 % zum Vorjahr |
PC-Käufer erreichen ihre Budgetgrenzen
Der langsamere Preisanstieg hat vor allem zwei Gründe. Die Nachfrage verschiebt sich von großen RDIMMs, also Speichermodulen für Server, zu kleineren Kapazitäten. Zugleich können Hersteller von PCs und Smartphones weitere Kostensteigerungen immer schwerer an ihre Kunden weitergeben.
Für den europäischen PC-Markt werden deshalb deutlich sinkende Stückzahlen erwartet. Unternehmen verlängern bestehende Nutzungszyklen und ersetzen Geräte vor allem dann, wenn ein Austausch technisch oder wirtschaftlich unvermeidbar ist. Höhere Verkaufspreise konnten den Mengenrückgang bei PC-Herstellern bislang teilweise ausgleichen.
„Der PC-Erneuerungszyklus ist nicht verschwunden, aber seine wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich verändert.“
Eine breite Austauschbewegung durch sogenannte AI PCs ist bislang nicht erkennbar. Der wichtigste Kaufgrund war zuletzt das Ende des Supports für Windows 10. Der wachsende Anteil KI-fähiger PCs erklärt sich vor allem dadurch, dass entsprechende Funktionen bei neuen Geräten zunehmend zur Standardausstattung gehören.
KI-Speicher verdrängt klassische Produkte
Samsung, SK hynix und Micron konzentrieren einen wachsenden Teil ihrer Kapazitäten auf margenstarke Speicherprodukte für KI-Systeme. Samsung profitiert von der frühen Serienfertigung von HBM4. HBM ist besonders schneller, direkt an Rechenbeschleuniger angebundener Speicher.
SK hynix weist unter den drei führenden Anbietern den höchsten HBM-Anteil an der ausgelieferten Speichermenge auf. Micron priorisiert höherpreisigen Server-DRAM. Die Nachfrage nach älteren Produkten wie DDR4 und DDR3 wird dadurch stärker von kleineren Herstellern wie Nanya, Winbond und PSMC bedient.
Diese Verschiebung zeigt, wie die Investitionen in KI-Infrastruktur auch klassische IT-Budgets beeinflussen. Selbst Unternehmen ohne eigene große KI-Cluster bezahlen indirekt über teurere PCs, Server und Ersatzteile mit. Besonders speicherintensive lokale KI-Systeme, etwa eine Workstation mit 576 GB HBM, bleiben deshalb stark von der Preisentwicklung bei Hochleistungsspeicher abhängig.
Beschaffung im DACH-Raum wird selektiver
Für Unternehmen im DACH-Raum spricht die Prognose gegen pauschale Hardware-Erneuerungen. Sinnvoller ist eine Einteilung nach Ausfallrisiko, Sicherheitsanforderungen, Supportstatus und tatsächlichem Leistungsbedarf. Geräte mit ausreichender Leistung lassen sich länger betreiben, sofern Ersatzteile, Betriebssystem und Sicherheitsupdates verfügbar bleiben.
Bei Neuanschaffungen sollte der Arbeitsspeicher nicht zu knapp dimensioniert werden. Eine spätere Erweiterung kann teurer oder bei fest verlötetem Speicher unmöglich sein. Das betrifft insbesondere kompakte Systeme für lokale KI, wie sie auch bei Mac mini und Mac Studio für lokale KI vorgesehen sind.
Lokale KI kann Abhängigkeiten von Cloud-Diensten und laufenden API-Kosten reduzieren. Die Rechnung verschiebt sich jedoch in Richtung höherer Anfangsinvestitionen für Speicher und Rechenhardware. Bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung gehören deshalb Hardwarepreis, Energieverbrauch, Wartung und Nutzungsdauer ebenso berücksichtigt wie Datenschutz und Anbieterabhängigkeit.

