Fujitsu bringt Monaka bereits im November
Fujitsu zieht den Marktstart seines Arm-Prozessors Monaka deutlich vor. Statt wie bisher angekündigt im Jahr 2027 sollen die CPU und drei passende Servermodelle bereits ab November verkauft werden. Als Zielgruppen nennt der Hersteller Cloud-Betreiber, Serverhersteller sowie Organisationen mit Bedarf an lokaler KI-Inferenz.
Monaka basiert auf Armv9, einer aktuellen Befehlssatzarchitektur für Arm-Prozessoren. Der Chip kombiniert 144 Rechenkerne mit schnellem SRAM-Speicher, zwölf DDR5-Kanälen und PCIe 6.0. Fujitsu nutzt dafür eine 3D-Chip-Stacking-Technologie von Broadcom, bei der mehrere Chipkomponenten räumlich miteinander verbunden werden.
Vier Compute-Dies mit insgesamt 144 Kernen
Der Prozessor besteht aus vier Compute-Dies in 2-nm-Fertigung. Jeder dieser Bausteine enthält 36 Kerne. Hinzu kommen vier SRAM-Chiplets in 5-nm-Fertigung sowie ein zentraler Baustein für Ein- und Ausgabe sowie Speicheranbindung.
| Merkmal | Fujitsu Monaka |
|---|---|
| Architektur | Armv9 |
| Rechenkerne | 144 |
| Compute-Dies | 4 mit jeweils 36 Kernen |
| Fertigung der Compute-Dies | 2 nm |
| SRAM-Chiplets | 4 in 5-nm-Fertigung |
| Arbeitsspeicher | 12 DDR5-Kanäle |
| Konnektivität | PCIe 6.0 |
| Taktraten | 2,1 GHz oder 2,9 GHz |
Technisch knüpft Fujitsu an seine Erfahrung mit dem Supercomputer Fugaku an, obwohl Monaka deutlich von dessen Prozessorarchitektur abweicht. Fugaku führte die Top-500-Liste der leistungsfähigsten Supercomputer von 2020 bis 2022 an und lag sechs Jahre nach seinem Debüt noch auf Platz neun.
Drei Servermodelle für unterschiedliche Kühlsysteme
Fujitsu verkauft Monaka nicht nur als einzelnen Prozessor. Zum Start sind drei eigene Servervarianten mit 1U oder 2U Bauhöhe vorgesehen. Je nach Modell unterstützen sie Luftkühlung, Flüssigkeitskühlung oder beide Verfahren.
| Servermodell | Prozessoren | Speicherplätze | Kühlung |
|---|---|---|---|
| 1U | 1 oder 2 CPUs mit 2,1 oder 2,9 GHz | 8 E3.S SSDs und 2 M.2 SSDs | Luft bis 40 °C oder Flüssigkeit bis 45 °C |
| 2U Standard | 2 CPUs mit 2,1 GHz | 4 E3.S SSDs und 2 M.2 SSDs | Luftkühlung |
| 2U HPC und Multi-Node | 2 CPUs mit 2,9 GHz, 4 Nodes pro Rack | 2 E1.S SSDs und 2 M.2 SSDs | Flüssigkeitskühlung |
Das 2U-Multi-Node-System richtet sich vor allem an Hochleistungsrechnen und wissenschaftliche Einrichtungen. Das kompaktere 1U-Modell lässt mehr Spielraum bei Prozessorzahl, Takt und Kühlung. Damit kann es auch für Rechenzentren interessant sein, die keine durchgängige Flüssigkeitskühlung installiert haben.
KI-Inferenz ohne separate GPU-Infrastruktur
Fujitsu bewirbt Monaka gezielt für KI-Inferenz, also die Ausführung bereits trainierter Modelle. Nach Angaben des Herstellers soll der Prozessor bei solchen Aufgaben die doppelte Leistung konkurrierender CPUs erreichen. Unabhängige Benchmarks und eine konkrete Vergleichsbasis für diese Angabe liegen bislang nicht vor.
Die behauptete doppelte Inferenzleistung ist eine Herstellerangabe. Erst unabhängige Tests können zeigen, wie Monaka bei realen Modellen, unterschiedlichen Präzisionsstufen und unter Dauerlast abschneidet.
Für Unternehmen ist vor allem die Frage relevant, welche Modelle wirtschaftlich direkt auf CPUs betrieben werden können. Leistungsfähige Arm-Systeme könnten lokale KI-Anwendungen ermöglichen, ohne für jede Arbeitslast teure GPU-Server oder dauerhaft abgerechnete Cloud-APIs einzusetzen. Einen weiteren Ansatz für lokale KI bietet etwa eine AMD-Workstation mit 576 GB HBM.
Die Hardware allein entscheidet jedoch nicht über die Wirtschaftlichkeit. Anschaffungskosten, Software-Unterstützung und die Verfügbarkeit kompatibler Server müssen in die Gesamtrechnung einfließen. Fujitsu hat bislang keine Preise veröffentlicht und auch nicht bestätigt, welche externen Serverhersteller Monaka tatsächlich anbieten werden.
Digitale Souveränität als Verkaufsargument
Die Monaka-Server werden in Japan gefertigt. Fujitsu positioniert sie deshalb als souveräne Infrastruktur und nennt Europa ausdrücklich als wichtigen Absatzmarkt. Für Unternehmen im DACH-Raum entsteht damit zumindest eine weitere Option neben den stark von US-Anbietern geprägten x86-, GPU- und Cloud-Ökosystemen.
Besonders relevant ist das für Betreiber eigener Rechenzentren sowie für Unternehmen, die Colocation-Flächen nutzen. Lokale Inferenz kann mehr Kontrolle über Daten, Betriebsprozesse und laufende Kosten schaffen. Sie erhöht allerdings zugleich den Aufwand für Beschaffung, Integration und Betrieb.
Auch bei den Modellen erweitert sich der Spielraum. Günstigere Open-Weights-Modelle können zusammen mit eigener Arm-Hardware eine Alternative zu dauerhaft gebuchten KI-Diensten bilden. Ob Monaka dafür im größeren Maßstab attraktiv wird, hängt vor allem von Preisen, unabhängigen Leistungsdaten und der Unterstützung durch Serverhersteller ab.

