Nextcloud und Ionos: Bildungsplattform für 6 Länder

Sechs Bundesländer schaffen einen gemeinsamen Beschaffungsweg für eine quelloffene Bildungsplattform auf Basis von Nextcloud und Ionos. Das Angebot soll Microsoft 365 und Google Workspace ergänzen oder ersetzen, die tatsächliche Nutzung bleibt für Schulen und Behörden jedoch freiwillig.

Nextcloud und Ionos: Bildungsplattform für 6 LänderBild: KI-generiert

Sechs Bundesländer schaffen Alternative zu Microsoft 365

Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben einen gemeinsamen Rahmenvertrag für eine quelloffene Bildungsplattform geschlossen. Technische Grundlage ist Nextcloud, die Infrastruktur stellt Ionos bereit.

Zum Einsatz kommt der Ionos Nextcloud Workspace. Die Plattform bündelt Dateiaustausch, Chat, Videokonferenzen, E-Mail, Kalender und Office-Funktionen. Damit deckt sie zentrale Bereiche ab, für die Schulen bislang häufig Microsoft 365 oder Google Workspace nutzen.

PunktAngabe
Beteiligte BundesländerBerlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz
Anzahl der Länder6
Technische BasisNextcloud
HostingIonos
Beschaffunggovdigital eG
Anfängliche Vertragslaufzeit4 Jahre
NutzungFreiwillig

Rahmenvertrag senkt die Beschaffungshürde

Die Beschaffung läuft über govdigital eG, ein Bündnis öffentlicher IT-Dienstleister. Schulen und Schulbehörden der beteiligten Länder können die Lösung dadurch über den bestehenden Rahmenvertrag beziehen. Separate Ausschreibungsverfahren für einzelne Träger sollen damit entfallen.

Der Vertrag läuft zunächst vier Jahre. Er ist jedoch keine Vorgabe für einen flächendeckenden Wechsel. Wie viele Schulen das Angebot tatsächlich nutzen werden, ist bislang offen.

Auch zu Kosten, Vertragsvolumen und Preisen pro Nutzer gibt es keine Angaben. Ein genauer Zeitplan für die Einführung sowie konkrete Hilfen für die Migration bestehender Microsoft-Umgebungen wurden ebenfalls nicht genannt.

Digitale Souveränität statt US-Cloud-Abhängigkeit

Das zentrale Ziel ist eine geringere Abhängigkeit von Microsoft und Google. Gleichzeitig sollen Daten in einer europäischen Infrastruktur verarbeitet werden. Damit adressiert das Modell sowohl Anforderungen der DSGVO als auch Risiken, die sich aus dem US CLOUD Act und möglichen Zugriffsrechten amerikanischer Behörden ergeben.

„Wir brauchen europäische Champions, um digitale Souveränität zu erreichen und den europäischen Softwaresektor zu stärken.“

Frank Karlitschek, Gründer und Geschäftsführer von Nextcloud

Karlitschek sieht den öffentlichen Sektor dabei als wichtigen Referenzkunden. Seine Position ist klar: „Wir benötigen auch keine Fördergelder, sondern einfach nur Leuchtturm-Kunden.“ Öffentliche Nachfrage soll demnach nicht nur einzelne Projekte finanzieren, sondern einen tragfähigen europäischen Softwaremarkt schaffen.

Open Source allein löst nicht jedes Problem

Für IT-Verantwortliche ist vor allem die Kombination relevant. Nextcloud liefert eine etablierte Open-Source-Basis, Ionos übernimmt den Betrieb der Infrastruktur und govdigital organisiert den Beschaffungsweg. Das reduziert den Aufwand gegenüber einer vollständig selbst betriebenen Plattform, ohne die Organisation so eng an eine proprietäre US-Suite zu binden.

Vollständige Unabhängigkeit entsteht dadurch allerdings nicht. Auch ein europäischer Plattformanbieter bleibt ein externer Dienstleister. Entscheidend sind deshalb Vertragsbedingungen, Datenexporte, offene Schnittstellen und die Möglichkeit, den Betrieb später zu einem anderen Anbieter oder in die eigene Infrastruktur zu verlagern.

Dass solche Abhängigkeiten finanzielle Folgen haben können, zeigen die gemeldeten Kosten von Zwangs-Upgrades bei Unternehmenssoftware. Ein praktisches Beispiel für den Wechsel von proprietärer Infrastruktur zu einer offenen Alternative liefert zudem Tesco mit der Ablösung von VMware durch Proxmox.

Ein Beschaffungsmodell mit Signalwirkung

Der Rahmenvertrag zeigt, dass eine kollaborative Office- und Kommunikationsplattform nicht zwingend als geschlossenes US-SaaS-Paket beschafft werden muss. Bestehende Open-Source-Komponenten lassen sich mit europäischem Hosting und zentraler öffentlicher Beschaffung zu einem nutzbaren Gesamtangebot verbinden.

Für Unternehmen und Verwaltungen im DACH-Raum ist weniger die konkrete Schullösung entscheidend als das Modell dahinter. Standardisierte Beschaffung, offene Software und regionales Hosting können Datenschutzrisiken und Lock-in-Effekte begrenzen. Ob das Projekt auch wirtschaftlich und im laufenden Betrieb überzeugt, lässt sich erst beurteilen, wenn Nutzungszahlen, Kosten und Migrationserfahrungen vorliegen.