Nscale will unter dem Kürzel NSCL an die Börse
Der Londoner GPU-Cloud-Anbieter Nscale hat bei der US-Börsenaufsicht SEC das Registrierungsformular S-1 eingereicht. Geplant ist eine Notierung an der New York Stock Exchange unter dem Tickersymbol NSCL. Goldman Sachs und Morgan Stanley führen den Börsengang als Lead-Bookrunner.
Wie viele Aktien angeboten werden, zu welchem Preis sie ausgegeben werden und welche Bewertung am Ende erreicht wird, ist noch offen. Berichten zufolge peilt Nscale bis zu 35 Milliarden US-Dollar an. Eine offizielle Begründung für die Wahl New Yorks anstelle der London Stock Exchange liegt nicht vor.
Nscale entstand aus dem Krypto-Miner Arkon Energy und positioniert sich heute als Full-Stack-KI-Cloud. Damit ist eine vollständige Plattform gemeint, die GPU-Infrastruktur und Software für das Training sowie den Betrieb von KI-Modellen bereitstellt. Solche Anbieter werden häufig als Neoclouds bezeichnet, also spezialisierte Cloud-Unternehmen mit Fokus auf KI-Rechenleistung.
Umsatz wächst, der Verlust aber deutlich stärker
Die Geschäftszahlen zeigen, wie kapitalintensiv der Aufbau einer GPU-Cloud ist. In den sechs Monaten bis zum 30. Juni stieg der Umsatz von 10,4 Millionen auf 140,6 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig weitete sich der Nettoverlust von 368,9 Millionen auf 1,02 Milliarden US-Dollar aus.
| Kennzahl | Vorperiode | Aktueller Wert |
|---|---|---|
| Umsatz im Halbjahr | 10,4 Mio. US-Dollar | 140,6 Mio. US-Dollar |
| Nettoverlust im Halbjahr | 368,9 Mio. US-Dollar | 1,02 Mrd. US-Dollar |
| Gesamtvertragswert | 38 Mrd. US-Dollar Ende 2025 | 103,4 Mrd. US-Dollar zum 31. August |
| Davon aktive Verträge | nicht genannt | 2,6 Mrd. US-Dollar |
| Vertragsvolumen mit Anthropic | nicht genannt | bis zu 44,6 Mrd. US-Dollar |
Der hohe Verlust ist nicht nur eine Randnotiz des Börsenprospekts. GPU-Beschaffung, Stromversorgung, Grundstücke und der Bau von Rechenzentren erfordern erhebliche Vorleistungen. Der geplante Börsengang folgt damit auf die bereits bekannte Suche nach 3,5 Milliarden US-Dollar zusätzlichem Kapital.
103,4 Milliarden US-Dollar Gesamtvertragswert sind weder bereits erzielter Umsatz noch vollständig gesicherter Auftragsbestand.
Nur ein kleiner Teil der Verträge ist bereits aktiv
Besondere Aufmerksamkeit verdient der von Nscale gemeldete Gesamtvertragswert, kurz TCV. Von den 103,4 Milliarden US-Dollar entfallen lediglich 2,6 Milliarden US-Dollar auf aktive Verträge. Der übrige Betrag hängt davon ab, dass geplante Rechenzentren finanziert, gebaut und in Betrieb genommen werden.
Bis zu 44,6 Milliarden US-Dollar des Vertragsvolumens betreffen Vereinbarungen mit Anthropic. Nscale erklärt zugleich, noch keine verbindlichen Finanzierungszusagen für die dafür erforderlichen Projekte zu besitzen. Damit liegen zwischen unterzeichneten Vereinbarungen und tatsächlich abrechenbarer GPU-Leistung erhebliche Ausführungsrisiken.
Das Unternehmen betreibt Rechenzentren in Europa und den USA. Zu den Vorhaben zählen ein angekündigter KI-Campus für OpenAI in Norwegen sowie der Monarch Compute Campus in West Virginia, der zusammen mit Nvidia und Microsoft entwickelt wird.
Prominentes Board und starke Kapitalbindung
Im Board von Nscale sitzen unter anderem der frühere britische Vize-Premierminister Sir Nick Clegg, die ehemalige Meta-COO Sheryl Sandberg und die frühere Yahoo-Präsidentin Susan Decker. Das Unternehmen hat zudem fast zwei Drittel des Venture- und Eigenkapitals eingesammelt, das in den britischen Rechenzentrumsinfrastruktur-Sektor geflossen ist.
Diese Konzentration verdeutlicht, wie stark Kapitalgeber auf wenige große Betreiber setzen. Gleichzeitig wächst dadurch die Abhängigkeit der Kunden von deren Finanzierung und Ausbaugeschwindigkeit. Ein langfristiger GPU-Vertrag ist nur dann belastbar, wenn Rechenzentren, Energieversorgung und Hardware tatsächlich verfügbar sind.
Was der Börsengang für DACH-Unternehmen bedeutet
Neoclouds können für Unternehmen im DACH-Raum eine Alternative zu den großen US-Hyperscalern sein. Das gilt besonders für den Betrieb eigener Open-Source-Modelle, bei denen Infrastruktur gemietet wird, ohne ein komplettes KI-SaaS-Abo abzuschließen. Wie groß der wirtschaftliche Abstand zu kommerziellen Modellen sein kann, zeigt der Vergleich zu günstigeren Open-Weights-Modellen.
Der Fall Nscale macht jedoch deutlich, dass gemietete GPU-Kapazität nicht automatisch Unabhängigkeit schafft. Hohe Verluste und noch unfinanzierte Bauprojekte können später zu höheren Preisen, Verzögerungen oder einem Anbieterwechsel führen. Für kritische Anwendungen sollten deshalb Vertragslaufzeiten, Kapazitätsgarantien, Datenexport und Ausstiegsoptionen geprüft werden.
Auch ein Standort in Europa löst nicht automatisch alle Fragen zu Datenschutz und Datensouveränität. Entscheidend sind die konkrete Vertragspartei, der Speicherort, eingesetzte Unterauftragnehmer und die Kontrolle über Modelle sowie Trainingsdaten. Der Gang an die New Yorker Börse und die Großverträge mit OpenAI und Anthropic zeigen zudem, wie eng selbst europäische KI-Infrastruktur mit dem US-Kapitalmarkt und wenigen amerikanischen Großkunden verbunden bleibt.

