DAWO: Niederlande bauen offenen Behördenarbeitsplatz

DAWO entwickelt einen modularen Open-Source-Arbeitsplatz für die niederländische Verwaltung. Austauschbare Bausteine für KI, Betriebssystem, Cloud und Zusammenarbeit sollen digitale Autonomie stärken und die Abhängigkeit von proprietären SaaS-Suiten reduzieren.

DAWO: Niederlande bauen offenen BehördenarbeitsplatzBild: KI-generiert

DAWO setzt auf einen modularen Behördenarbeitsplatz

Die niederländische Initiative DAWO arbeitet an einem digital autonomen Arbeitsplatz für die öffentliche Verwaltung. Regierung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft entwickeln dafür einen gemeinsamen technischen Bauplan auf Open-Source-Basis.

DAWO ist ausdrücklich nicht als einzelne Software-Suite konzipiert. Stattdessen soll der Arbeitsplatz aus separaten Komponenten bestehen, die sich prüfen, kombinieren und bei Bedarf ersetzen lassen.

DAWO beschreibt das Konzept sinngemäß so: Es geht nicht um ein einzelnes Produkt, sondern um getrennte Bausteine, die zusammenarbeiten. Jeder Bestandteil kann überprüft und ausgetauscht werden.

Damit verfolgt die Initiative ein anderes Modell als proprietäre Komplettpakete wie Microsoft 365. Unternehmen und Behörden erhalten keine geschlossene Suite aus einer Hand, müssen dafür aber mehr Verantwortung für Auswahl, Integration und Betrieb übernehmen.

Vier Bereiche bilden den technischen Bauplan

Der geplante Arbeitsplatz umfasst vier Hauptbereiche. Welche konkreten Anwendungen für Kommunikation, Dokumente und Cloud-Infrastruktur eingesetzt werden, ist bislang nicht im Detail benannt.

BereichAufgabe im DAWO-Konzept
KIOffene und überprüfbare KI-Bausteine für den digitalen Arbeitsplatz
BetriebssystemDAWO-NixOS und Installationskomponenten für reproduzierbare Arbeitsplatzsysteme
CloudBausteine für eine autonome und überprüfbare Cloud-Infrastruktur
CollaborationOffene Lösungen für Kommunikation, Dokumente und gemeinsame Arbeit

DAWO-NixOS soll reproduzierbare Installationen ermöglichen. Dabei wird die Systemkonfiguration so definiert, dass Arbeitsplätze konsistent und nachvollziehbar eingerichtet werden können. Das erleichtert standardisierte Rollouts und kann unerwünschte Abweichungen zwischen Systemen reduzieren.

Für die übrigen Bereiche bleibt die konkrete Produktauswahl offen. Aussagen über den Einsatz von Nextcloud, Matrix oder bestimmten Open-Source-Modellen wären daher verfrüht.

Digitale Autonomie umfasst mehr als Open Source

Die Initiative nennt fünf Kernziele: digitale Autonomie, Zusammenarbeit, Sicherheit und Datenschutz, Innovation sowie Überprüfbarkeit. Letzteres bedeutet, dass staatliche IT-Systeme technisch inspiziert und ihre Funktionsweise nachvollzogen werden können.

Der gemeinsame Blueprint soll nicht nur durch Behörden entstehen. Beteiligte können Code, Dokumentation, Pilotprojekte und Veranstaltungen beitragen. DAWO verbindet damit technische Entwicklung und organisatorische Zusammenarbeit in einem offenen Prozess.

Angaben zum aktuellen Rollout, zu Nutzerzahlen oder zu laufenden Pilotphasen liegen nicht vor. Auch Budgets und konkrete Projektlaufzeiten wurden bislang nicht genannt. Das Konzept ist deshalb noch nicht mit einer flächendeckend eingesetzten Arbeitsplatzumgebung gleichzusetzen.

Parallelen zu openDesk und der Schweiz

DAWO folgt einem europäischen Trend zu souveränen Verwaltungsarbeitsplätzen. In Deutschland verfolgt openDesk mit seinem Partnerprogramm einen vergleichbaren Ansatz, bei dem offene Komponenten und ein eigenes Ökosystem proprietäre Bürosoftware ergänzen oder ersetzen sollen.

Auch die Schweizer Bundesverwaltung arbeitet an Alternativen zu etablierten Cloud-Suiten. Der dort geplante Einsatz von openDesk als Microsoft-365-Alternative zeigt, dass digitale Souveränität zunehmend als operatives Beschaffungsthema behandelt wird.

Für Behörden und Unternehmen im DACH-Raum ist der niederländische Ansatz deshalb relevant, obwohl DAWO zunächst auf die Niederlande ausgerichtet ist. Mehrere europäische Staaten versuchen parallel, Abhängigkeiten von einzelnen US-Anbietern zu begrenzen und die Kontrolle über Daten, Quellcode und Infrastruktur zu erhöhen.

Weniger Vendor-Lock-in, mehr Integrationsaufwand

Der größte wirtschaftliche Vorteil modularer Architekturen liegt in der Austauschbarkeit. Wenn Cloud, Collaboration, Betriebssystem und KI nicht fest zu einer Suite verbunden sind, kann eine einzelne Komponente ersetzt werden, ohne den gesamten Arbeitsplatz neu aufzubauen.

Das reduziert Vendor-Lock-in und stärkt die Verhandlungsposition gegenüber Anbietern. Gleichzeitig verschwinden Kosten nicht automatisch. Integration, Betrieb, Updates, Support und Sicherheitsprüfungen müssen intern organisiert oder an Dienstleister vergeben werden.

DAWO steht damit für ein Gegenmodell zum bequemen, aber langfristig bindenden SaaS-Abonnement. Ob dieses Modell wirtschaftlich trägt, hängt von belastbaren Standards, guter Dokumentation und dauerhaft gepflegten Komponenten ab. Genau daran muss sich der gemeinsame Blueprint in der Praxis messen lassen.